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3) Vater und Mutter lebten oft in Zank und Streit und die Mutter nahm dann ein mürri⸗ ſches Weſen an. Der Vater war rechthaberiſch und ſtreitſüchtig. Sie hatten von 6 Kin⸗ dern 2 todt geborene und 2 taubſtumme.
4) Die Eltern führten eine ausſchweifende Lebensweiſe; der Vater war und iſt noch dem Trunke ergeben. Sie haben von 5 Kindern 2 todt geborene, 1 taubſtummes und 1 ſchwerhöriges.
5) Die Mutter war immer liederlich, ausſchweifend, genußſüchtig, was den Vater in's Nar⸗ renhaus gebracht hat. Sie haben eine taubſtumme Tochter, einen blödſinnigen Sohn und eine liederliche Tochter.
6) Die Mutter war dem Branntwein ergeben. Von 5 Kindern iſt 1 taubſtumm und die übri⸗ gen theils körperlich, theils geiſtig ſchwach.
7) Der Vater war ein raffinirter Kopf, Schwadroneur, ungläubig, heuchleriſch, prozeßſüchtig, trank periodiſch. Er fluchte entſetzlich und verſchwor ſich in fuchtbarer Weiſe. Die Mut⸗ ter ſprach in ihrer jedesmaligen Schwangerſchaft faſt nie ein Wort. Von ihren 5 Kin⸗ dern ſind 4 taubſtumm und das andere ſchwerhörig. Von den taubſtummen iſt 1 blödſin⸗ nig und ganz thieriſch, die anderen 2 gering und nur 1 ziemlich beanlagt.
8) Der Vater lebte mit ſeiner leichtſinnigen Frau faſt ſtändig in Zwiſt, ſie ſprachen oft wo⸗ chenlang nicht miteinander. Sie haben von 7 Kindern 4 taubſtumme.
Ich will hiermit von der Schilderung ſo düſterer Familienbilder, wovon uns die ſtatiſti⸗ ſchen Berichte leider 32 aufweiſen, und von welchen der Menſchenfreund immer ſchmerzlich er⸗ griffen werden muß, abſtehen, da die bereits angeführten gewiß die Verkommenheit ſo vieler Eheleute dargethan haben werden. Dies ſind Beiſpiele, in welchen die gegenſeitige eheliche Liebe verſchwunden und an deren Stelle die ſinnlichen Leidenſchaften und die Rohheiten der verderbten menſchlichen Natur getreten ſind. Hier, wo der Friede vom häuslichen Herde gewichen, hört die Familie, wie ſich der heilige Auguſtin ausdrückt, auf, eine Pflanzſchule der gegenſeitigen Liebe zu ſein. Und welches Elend mit Zank und Streit, mit Völlerei und Genußſucht jeglicher Art in die Familien einkehrt, darüber brauche ich wohl nach Anführung der obigen betrübenden Fälle weiter nichts mehr zu ſagen. Dieſes Elend iſt nicht allein moraliſcher und ſittlicher Na⸗ tur, ſondern erſcheint uns auch in phyſiſcher Hinſicht im höchſten Grade niederſchlagend, denn wir ſehen unter ſolchen Verhältniſſen ſowohl häufig die Taubſtummheit, als auch die Verkuppe⸗ lung der Nachkommenſchaft in den verſchiedenſten Formen hervortreten. Da jedoch die Familie die Grundlage der menſchlichen Geſellſchaft bildet, ſo können wir dem Himmel deſſenungeachtet nur danken, daß es derartiger, verworfener Familien nicht noch mehrere gibt, denn was ſollte aus der Geſellſchaft werden? Zum Glück haben wir 307 Familien, in welchen Taubſtumme vorkommen, die meiſtens einen geſitteten und gottesfürchtigen Lebenswandel führen; die mit Er⸗ gebung ihr trauriges Schickſal zu tragen wiſſen, und am Ende die hohe Beruhigung noch darin finden, daß ihnen doch nun die Gelegenheit geboten iſt, ihre taubſtummen Kinder für Gott und und das bürgerliche Leben in einer Taubſtummen⸗Anſtalt unterrichten und erziehen laſſen zu können..


