Aufsatz 
Statistik der Taubstummen im Herzogthum Nassau
Entstehung
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Jahre 1851 angeführten 11 Taubſtummen 6 taub geboren, 2 im 2. Jahre durch Krämpfe, 2 im 2. Jahre durch Maſern und Rötheln und 1 im 5. Jahre durch Hirnentzündung taubſtumm ge⸗ worden ſind. Von den 11 vom Jahr 1853 angegebenen Taubſtummen ſind 6 taub geboren, 3 im 2. und 4. Jahre durch Hirnentzündung und 2 im 2. und 6. Jahre taubſtumm geworden. Von den im Jahr 1856 erſcheinenden 13 Taubſtummen wurden 7 taub geboren, 2 durch Nerven⸗ krankheit und 4 durch nicht angegebene Krankheiten im 2. und 3. Jahre taubſtumm.

Es ſtellt ſich hiernach, wie im Allgemeinen, heraus, daß die meiſten Taubſtummen taub geboren wurden und daß das Auftreten einer größeren Zahl von Taubſtummen in einzelnen Jahren wohl durch das während derſelben mehr und minder häufige Vorkommen von Kinder⸗ krankheiten bedingt wird.

Von den vorhandenen 381 Taubſtummen ſind 360 ehelich und 21(10 evangeliſche, 8 katholiſche und 3 israelitiſche) unehelich geboren. Es ſind ſonach beinahe auf 100 Taubſtumme 6 uneheliche Kinder zu rechnen.

II.

Einwohnerzahl der Geburtsorte, Lage derſelben in Hinſicht auf Geſundheit, ab im Thal oder auf einem Verge oder in einer Ebene Tr.

Je nach der Bildung der Erdoberfläche, ihrer Stellung zur Sonne und der Einwirkung derſelben auf die einzelnen Erdtheile, ſehen wir überall Form und Organiſation alles Belebten auf Erden geſtaltet. Daß daher auch die Lage der Wohnorte der Menſchen auf ihre ganze körperliche, ſowie geiſtige Entwickelung, auf Hervorrufung beſtimmter Krankheiten einen bedeuten⸗ den Einfluß ausübt, das beſtätigen die vielen Zählungen der Taubſtummen und Blinden, welche in verſchiedenen Ländern vorgenommen worden ſind. Es iſt eine unabweisbare Thatſache, daß in den Alpen, in gebirgigen Gegenden und tiefen, namentlich feuchten Thälern weit mehr Taub⸗ ſtumme vorkommen als in ebenen Gegenden. Lachmann hat nach vieljährigen Beobachtungen und ſtatiſtiſchen Berechnungen das Verhältniß der Taubſtummen in den Alpen 1:561, im Mittelgebirge 1:1465 und in den Ebenen 1:1500 feſtgeſetzt, d. h., im erſten Falle kommt ſchon auf 561 Einwohner 1 Taubſtummer, während im zweiten Fall auf 1465 und im dritten Falle auf 1500 Einwohner je 1. Taubſtummer zu rechnen iſt. Dr. John hat ganz be⸗ ſonders die Verhältniſſe der geographiſchen Verbreitung der Taubſtummheit zu ermitteln geſucht, und ſeine Reſultate ſtimmen mit den Obigen überein.

Dem zufolge kommt die Taubheit in der Schweiz, im Harze, im Schwarzwalde und im Thüringer Walde weit mehr vor, als in unſerem von Mittelgebirgen durchzogenen Lande. Da die Taubſtummheit auch ſehr häufig mit Blödſinn verbunden, ſo trifft man dort ganze Gegenden in welchen die Blödſinnigen und Cretinen in großer Zahl vorhanden ſind.

Die anderwärts gemachten Beobachtungen in dieſer Beziehung werden auch bei uns be⸗ ſtätigt. Die Lage der meiſten Orte iſt in den eingegangenen ſtatiſtiſchen Berichten als geſund geſchildert. Auch hatte ſich das Verhältniß der Taubſtummen zur Einwohnerzahl nach den Zäh⸗ lungen von 1819 und 1843 ſo günſtig in unſerem Lande herausgeſtellt, wie faſt in keinem Staate, der von Mittelgebirgen durchzogen iſt. Nur bei der diesmaligen Zählung ergab ſich