Aufsatz 
Ueber Hydrodiffusion / Joseph May
Entstehung
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Ueber Hydrodiffusion.

Schichtet man vorsichtig über eine Flüssigkeit eine andere, mit der ersteren mischbare von geringerem specifischen Gewicht, so findet ein allmähliger Uebergang der schwereren Flüssigkeit in die leichtere und umgekehrt statt. Dieser Vorgang, welchen man Diffusion genannt hat, dauert so lange, bis die beiden Flüssigkeiten gleichförmig gemischt sind. ISt die specifisch leichtere Flüssigkeit Wasser, so bezeichnet man den Process mit dem Namen

Hydrodiffusion. 5 1.

Die ersten eingehenden Versuche über Diffusion und speciell über Hydrodiflusion von Salzlösungen hat Graham¹) angestellt. Er füllteSolutionsgläser(Fig. 1), die, um gleiche Gestalt zu erhalten, alle in derselben Form gegossen waren, bis an den Hals mit Salzlösungen, welche nach bekannten Gewichtsverhältnissen hergestellt waren, und brachte sie in grössere, theilweise mit Wasser gefüllteWassergefässe. Die Füllung des Halses geschah in folgender Weise. Eine vorher in Wasser getauchte Korkscheibe, die mit einem nach oben gerichteten hölzernen Stielchen versehen war, wurde auf die Lösung gelegt und ein spitzer, mit reinem Wasser gefüllter Schwamm so über das Stielchen gehalten, dass der aus demselben austretende Tropfen das Ende des Stielchens berührte; ein leichter Druck auf den Schwamm genügte, um ein langsames Herabfliessen des Tropfens zu bewirken. Zuletzt wurde das grössere Gefäss mit Wasser gefüllt, so dass die Oberfläche desselben etwa einen Zoll höher, als der obere Rand des Solutionsglases lag. Nach einigen Tagen wurde die Diffusion in der Weise unterbrochen, dass das Solutionsglas mit einer Glasplatte ver- schlossen und aus dem Wassergefäss heraus genommen wurde. Die in das letztere über- gegangene Menge von Salz, das Diffusionsproduct, wurde durch Eindampfen und Wägen

bestimmt.

¹) Liebig Ann. Bd. 77 pag. 57 u. 129 u. Bd. 80 pag. 197.