Aufsatz 
Cruces Philologicae. Beiträge zur Erläuterung der Schulautoren / von Theodor Maurer
Entstehung
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erst angeredet: v. 342 doxseς ⁴οsæ ruᷣogetv. Damit erklärt sich auch völlig das F. A. Wolf befremdende spätere Ausserachtlassen dieser Vorschrift durch Odysseus. Nach den, bei Ein- händigung der Wundergabe noch nicht vorauszusehenden, Umständen seiner Landung erfolgt eben nicht ein Sdseur elc olrorraæ rövrov, wie v. 349 annahm, und damit eine directe Rückgabe an die Göttin, sondern sie wird mittelbar besorgt durch die Strömung eines Flusses: v. 460 462.H τ⁶ι ⁴μ˙ εςσᷣ τπωταηαμν dsmwοιενναν εᷣ εᷣά Gνννν σιεέεοεν α̈να ννμα ναάα⁴d dον clepao dνο lvν de&εατο εοσ ρμαιmππ 1)

1) Es ist bedeutsam, wie in der Odyssee das Zeitbewusstsein ein Verständniss verräth für das Uebergangs- stadium, darin sich die Zeit offenbar befunden, aus dem Naturstand zur Cultur, wie wir dafür noch einen anderen Beleg bekommen werden(vergl. VI, pag. 22), so auch in Hinsicht des Sexuellen. Gewiss irrt darum W. Jordan, wenn er 464 469 alsden Anstandsbegriffen der Odyssee widerstrebend verdächtigt. Nestor, der Greis,der drei Menschen- alter sah, der klassische Typus deslaudator temporis acti des Horaz, ist ein Repräsentant der guten alten Zeit, und so huldigt auch sein Haus noch altväterischer Sitte, die sich in diesem Falle Telemach, der kaum mündige, im Gegensatz zu dem vielgewanderten Vater(C 220 221), natürlich anstandslos gefallen lässt; doch ist es gewiss auch hier nicht zufällig, dass das zu verrichtende Amt eben gerade noch der jüngsten(dndorärn) Tochter des Hauses zugewiesen wird.

V.

Es geben uns die beiden folgenden Nummern zu einem piunz desiderium Anlass. Es scheinen uns die gedruckten Commentare, wie die mündlichen Interpretationen besonders zur Homerlectüre über grammatischen, lexicologischen, metrischen, auch antiquarischen Bemerkungen gerade die Seiten, deretwegen doch Homer Schulautor ist und bleibt, die ethische und ästhetische, nur zu sehr aus dem Auge zu verlieren. Und wie sehr bedarf es namentlich in der letzteren Richtung, der ästhe- tischen, verständigender Hinweise. Wie uns Erwachsenen in der ersten Knabenzeit der homerische Sagenstoff, sei es aus dem Munde des Lehrers, sei es durch die häusliche Lectüre in den Bearbei- tungen von Becker und Schwab, eben als ein geschichtlicher, der nur minderen Glauben ver- diene, entgegentrat, ohne dass der spätere Unterricht uns bewusst eines Besseren zu belehren gesucht hätte, so halten wir es im grossen Ganzen auch heute noch unseren Schülern gegenüber.

Da wird die ergreifende Erkennungsscene des heimkehrenden Helden durch seinen Hund Argos (e 291 327) gegeben und hingenommen, als ein zufälliges historisches Geschehniss, dem der Dichter in keiner anderen Weise gegenübergestanden, wie es jeder Geschichtserzähler auch würde. Dass dem doch anders sei, springt jedem, sobald er nur darauf aufmerksam gemacht wird, sofort in die Augen. Thue man aber einmal die Frage an den Schüler, wie man eben gewohnt ist, es nicht zu thun: was hat denn dem Dichter diese Scene an die Hand gegeben? Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird die Antwort darauf hinauslaufen, Homer habe die Gelegenheit genutzt, ein schönes Beispiel von der Treue des Hundes zu schildern.¹) Mit welcher dankbaren Auf-

1) Mit dieser Antwort dürfte der Schüler weniger an dem Dichter sündigen, als der geistvolle Zusammen- steller eines vielgebrauchten deutschen Schullesebuchs, der im Anschluss an das vorraufgehende naturgeschichtliche Lesestück über den Hund das schöne Collin'sche GedichtKaiser Albrechts Hund bringt. Da sollten die Herren Schullesebücher-Fabrikanten sich denn doch das Beispiel Philipp Wackernagel's ctwas besser zu nutz machen; aber freilich:Wie er sich räuspert u. s. w.

Dass man gar den Spürsinn des Hundes zum Mittelpunkt des Interesses unserer Stelle machen könne, wodurch der Hundein Zeuge höherer Art für die Identität des Odysseus wird, sollten wir erst nachträg- lich lernen. Schade, dass Argos nicht einen Tag länger sein Leben fristen durfte! Danu mochte die zwei-