Aufsatz 
Baalbek
Entstehung
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Die Akropolis, wie wir sie also auch nennen wollen, liegt westlich von der Hauptstrasse der Stadt hinter einem ärmlichen Viertel, in wasserdurchfurchten Obstgärten.

Die erste genauere Kenntnis von den Ruinen hat dem Abendland der Engländer Robert Wood gegeben. Sein mit 46 Grossfoliotafeln ausgestattetes Werk: The ruins of Balbek, otherwise Heliopolis in Coelesyria, London 1757, beruht auf den Ergebnissen einer im Jahre 1751 unternommenen Reise und ist um so wertvoller, da es den Zustand vor dem Erdbeben im Jahre 1759 wiedergibt. Nach anderen Veröffentlichungen hat in neuerer Zeit Heinr. Frauberger (Die Akropolis von Baalbek, Frankfurt am Main 1892) die Blicke wieder auf Baalbek gelenkt.

Wenn aber der moderne Reisende imstande ist, sich ein anschauliches Bild von der weiten Trümmerstätte zu machen, so verdankt er das dem hohen Interesse, das der Deutsche Kaiser für ihre Erforschung bekundet hat. Die Reise nach Jerusalem im Jahre 1898 hatte ihm auch die Gelegenheit zum Besuche von Baalbek gegeben, und auf seine Anordnung liess darauf die General- verwaltung der Königl. Museen in Berlin mit Erlaubnis der Otto- manischen Regierung Aufräumungen und sachentsprechende Er- haltungsarbeiten durch Prof. Dr. Otto Puchstein zusammen mit anderen deutschen Gelehrten und Architekten vornehmen. Die Berichte über diese Arbeiten im Jahrb. des Kaiserl. deutschen Instituts, B. 16 und 17, Berlin 1902 und 1903, geben uns ein vorläufiges Bild des Erreichten. Die bereits auf diesen Forschungen beruhenden Abschnitte in den Reisebüchern von Bädeker und Meyer sind dem Besucher ein zuverlässiger Begleiter. Für die Lokalgeschichte enthält auch die Geschichte von Baalbek von Michel M. Alouf, übersetzt von R. Delbrück, 2. Aufl., Beirút 1900, mancherlei Hinweise, während sich das geographische Bild auf Karl Ritters Erdkunde von Asien 17,1 und Wilhelm Sievers, Asien aufbaut.

Schon von weitem begrüssen den Ankömmling die prächtigen Propyläen, auf hohem Unterbau, jenseits von einem breiten Graben. Freilich fehlt ihnen jetzt die majestätische Freitreppe, die einst zu der 10 m hoch gelegenen Halle emporführte. Aber die Basen von zwölf mächtigen Säulen sind wenigstens noch an Ort und Stelle vorhanden, wenn auch ihre Schäfte überallhin verschleppt, z. B. auch zum Bau der grossen Moschee verwendet worden sind. Diese Säulenstellung bildete einst die Stirnseite der 12 m tiefen und 60 m langen Vorhalle. Unwillkürlich drängt sich