Beiträge zur Geschichte Limburgs.
in der Zeit der Dynasten, unter Benutzung der Archivalien des städfischen Archivs in Limburg,
von Chrastian Bahl, ordentl. Lehrer des Realprogymnasiums.
Limburg hat nicht erst in unserer Zeit in dem Lahngebiet eine hervorragende Bedeutung gewonnen; schon in den ersten Jahrhunderten unseres Jahrtausends war es einer der wichtig- sten Plätze des Lahngaues König Ludwig das Kind genehmigte im J. 910, 10. Februar in Frankfurt(IIII Jdus. Februarii anno: Incarnationis Domini DOCCCVIIII Jndictione XIII; anno autem regni Domini Hludovici XI. actum Franconofort¹) die Gründung der Basilika in monte Lintburck und beschenkte dieselbe mit dem Königshof in Brechene(Oberbrechen) Otto der Grosse vermehrte die Besitzungen durch Schenkungsurkunde von 941 d. 20. April [d. d Quedlinburg](XM. Kalendas Maii anno incarnationis Domini 940 Jndict. XIII. anno autem Ottonis Regis V actum Quitelingoburc ²). Zu ganz besonderer Bedeutung gelangte dann die Stadt unter den Dynasten aus dem Geschlechte der Jsenburger. Allein bisher hat dieselbe noch immer einer Darstellung ihrer historischen Entwicklung, die den wissenschaftlichen An- forderungen genügt, entbehrt. Wohl nimmt ihre„Chronik“ ³) unter den Chroniken deutscher Städte einen hervorragenden Platz ein; allein sie ist weniger bedeutungsvoll als historische Quelle, denn als literarisches Denkmal. Es hat im Laufe der Zeit nicht anm Versuchen, die Ge- schichte Limburgs zu schreiben, gefehlt; so hat es der ehemalige Stiftsdechant Johann Mechtel versucht unter Benutzung der Chronik des Tilemann Elhen von Wolfhagen„zum Preis, Lob und Zier des Vaterlandes, zu dankbarer Gedechtnuss deren mir, wie woll ohnwür- digen, in dieser Stadt und Lahngauwe von Gott und Menschen erwiesener Woltaden, auch er- langter Ehren... aus den alten, jedoch glaubwürdigen Diplomaten und Monumenten ctzlicher Königen und Keysern, wie dan auch originalischen versigleten und ohnversigleten Brieffen, Scheinen, Vertragen, Registern, Manuale und Marginale, Notulen eibe Lympurger Chronika zu- sammenzutragen.“ Das Werk ist, wie der Verfasser im Eingang selbst bekennt, am 1. Januar 1610 begonnen worden und reicht bis zum 6. Februar 1612. Dasselbe bildet einen Teil des Prodromus Historiae Trevirensis von Hontheim pg. 1046— 1166. Wegen dieses Werkes spen- dete der ehemalige Lehrer Mechtels, Christoph Brower, 4) dem Verfasser Anerkennung und Lob, und Hontheim selbst schreibt von demselben: Opus non solum augendae notitiae negotiorum publicorum Trevericorum aptum; sed et noscendis avitis moribus patriis qui in eo grata inge-
Anm. ¹) S. Hontheim Hist. Trev. I. pg. 258. Jndict. XIII. ist 910; wir haben also den sog stylus Treverensis mit 25. März als Jahresanfang S. Grotefend, Handbuch der Histor. Chronologie pg. 26 f.
Anm, ²) Annus V. Ottonis regis ist 941, da Heinrich I. 2. Juni 936 in Memleben gestorben und Otto I. am 8. August d. J. in Aachen gekrönt worden ist.— Otto I. feierte 941 das auf den 18. Kpril fallende Osterfest in Quedlinburg. Die Urkunde bei Kremer Or. Nass. II. N. 44.
Anm. ³) S. Deutsche Chroniken 4. Bd. 1. Abt. Hannov. 1883 ed. Wyss.— Im Folgenden wird die Chronik in dieser Ausgabe citiert
Anm. ⁴) S. Hontheim Hist Trev. tom. 3, pg. 1026.
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