Der Aeτm des Galaterbriefes.
Die Stelle Gal. III, 20 dürfte wohl mit vollstem Recht als ein noch ungelöstes exegetisches Problem zu betrachten sein. Was das Verständnisz derselben so über- aus schwierig macht, das sind nicht die Worte an und für sich: denn ihrem rein grammatischen Sinne nach sind sie höchst einfach und klar. Es ist vielmehr der Zusam- menhang, in welchem sie auftreten und als Bestandtheile einer Beweisführung, mithin als Glieder einer gröszeren Gedankenkette sich kund geben. Welche Aufgabe hier- nach der Erklärer dieser Stelle zu lösen habe, erscheint im Allgemeinen nicht zweifelhaft: es ist die Aufgabe, die fraglichen Worte so auszulegen, dasz sie nicht allein an und für sich betrachtet einen leichten und ungezwun- genen Sinn darbieten, sondern namentlich auch, dasz sie in Verbindung mit V. 21 ein logisch gegliedertes Ganze bilden, dessen einzelne Theile weder mit einander noch mit sonstigen zum Zusammenhange gehörigen Sätzen, sei es näheren oder entfernteren, in Disharmonie stehen dürfen.


