Aufsatz 
Erinnerungen an Georg Michael Roth
Entstehung
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rückgezogenen Lebensweise, die er auch in Jena fortsetzte, ist es kein Wunder, wohl aber zu bedauern, dals die eigentliche Entwickelungs- geschichte diéses Kopfes so dürftig ausfallen muſs, von welcher man nicht viel mehr sagen kann, als daſs Reinhold ihn für das Studium des Kriticismus entschieden haben soll. Nachdem er in Gieſsen sein theologisches Studium vollendet hatte, kam er 1790 nach Frankfart zurück, wo er die herkömmliche Laufbahn eines Candidaten betrat, die ihm jedoch, auch des häufigen Predigens wegen(worin er sich, dem Zeugnisse von Zeitgenossen zufolge, durch Gediegenheit und Ori- ginalität auszeichnete, wiewohl bey der ihm eignen Genauigkeit und Strenge gegen sich selbst, die Ausarbeitung der Religionsvorträge ihm sehr schwer fallen muſste), gar wenig behagte. Je mehr es ihm ubri- gens schien, daſs die Theologie, als System, durch die kritische Phi- losophie, welcher er eifrigst zugethan war, erschüttert würde, desto- mehr wuchs seine Abneigung gegen sie, die ihm, bey seiner Neigung zu unabhängiger Abgeschiedenheit, auch als Broderwerb, nemlich durch Privatunterricht im Candidatenstande, nicht wenig zur Last fiel: seine Wünsche giengen auf eine akademische oder geachtete Stelle im Schul- fache; aber dazu waren damals wenige Aussichten. Der jetzige Predi- ger in Sprendlingen, Hr. Hofmann, hielt um diese Zeit eine Privat- schule in Umstadt am Odenwalde: diese übernahm Roth gegen das Ende des Jahrs 1796, fühlte sich, indem er zugleich damals an seiner deutschen Sprachlehre schrieb, in diesem Verhältnisse eine Zeitlang glücklich genug; fand sich jedoch aus Gründen, die man nicht miſsbil- ligen kann, 1798 bewogen, eine Hauslehrerstelle in Wetzlar zu über- nehmen, an welchem Orte, damals noch Sitze des Reichskammer- gerichts, er vielleicht am vergnügtesten gelebt haben mag.

Es bildete sich nemlich, veranlaſst durch das Bedürfniſs einer Ver- besserung der Stadtschule, um diese Zeit eine Gemeinnützige Ge-