Aufsatz 
Die Ilias im deutschen Unterrichte der Realanstalten / von Joseph Mathi
Entstehung
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Die weitere

Behandlung.

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In ähnlicher Weise, wie beim ersten Gesange, verfahre man mit den übrigen Gesängen,

nur wird man, wie schon früher erwähnt, sich nicht überall so lange aufzuhalten brauchen. at man nun die 24 Gesänge, oder, wo Kerns Auszug im Gebrauche ist, die 15 Abschnitte der Ilias sämtlich durchgearbeitet, so thue man Rückblicke auf das Ganze in ähnlicher Weise, wie es soeben bezüglich des ersten Gesangs empfohlen worden ist. Auch hier dürfte eine zusammenhängende erzählende Darstellung des Inhalts, aber in möglichst kurzer Fassung, am Platze sein, ferner eine Aufzählung der verschiedenen Gelegenheiten, bei denen wir die Be- kanntschaft dieser oder jener Persönlichkeit machten, Zusammenstellung der charakteristischen

Züge im Wesen der Hauptpersonen, Zusammenordnung ähnlicher, Gegenüberstellung entgegen-

gesetzter Situationen, Vergleichung mit Situationen aus anderen den Schülern bis dahin bekannt gewordenen Dichtungen, Fragen über das Verhältnis des einen oder andren Abschnitts zum Grundthema der Dichtung, weiterhin Fragen über Anschauungen, Sitten und Gebräuche der homerischen Zeit, und endlich auch Fragen, welche sprachliche Erscheinungen betreffen. Insbesondere lasse man auch eine Ubersicht geben über die anziehendsten und am meisten in der Erinnerung haften gebliebenen Gleichnisse, deren unsere Dichtung eine reiche Fülle bietet; oben bei der Besprechung des 1. Gesangs fand sich keine Gelegenheit solche zu berühren. Dem Studium des Lehrers empfehle ich in dieser Hinsicht ganz besonders, was Kammer in seinem ästhetischen Kommentar S. 48 52(und auch vorher schon) ausführt. UÜberhaupt mache ich den diesen Unterricht erteilenden Lehrer noch auf folgende Abhandlungen auf- merksam, die zu erwähnen ich bis jetzt keine Gelegenheit hatte: WeissenbornAchilleis und Ilias Progr. Mühlhausen, 1890. Sommerfeld,Hilfsbuch zur Lektüre der Ilias. Progr. Gross-Glogau, 1891. Henke,Die Lehrpläne des Gymnasiums in Barmen, I. Teil: Homer. Progr. Barmen 1892. Auch in den Frick'schen Lehrg. u. Lehrpr. findet er manche Abhand- lung, die er für diesen Unterricht mit Nutzen verwerten kann.

Ich bin am Ende meiner Darlegungen angelangt. Mag man über meine Ausführungen urteilen, wie man will, das wird man nicht bestreiten können, dass dieser Unterricht, wenn er in der von mir erörterten Weise erteilt wird, immerhin von einigem Nutzen für die Durch- bildung der Schüler begleitet sein wird. Insbesondere dürfte auch das klar sein, dass der in unserer Zeit mit Recht immer mit neuem Nachdruck erhobenen Forderung, dass der Unterricht in der Secle des Schülers ein möglichst vielseitiges Interesse wachrufen und be- gründen soll, durch die von mir gezeichnete Art der Erteilung dieses Unterrichts entsprochen werde. Es dürften durch sie wohl gebührende Berücksichtigung finden sowohl die Inte- ressen der Erkenntnis, das empirische, spekulative und ästhetische, als auch die der Teil- nahme, das sympathetische, soziale und religiöse Interesse. Und so dürfte bei einer derartigen oder ähnlichen Behandlung dieses Unterrichts wohl auch für die Schüler von Realanstalten, die nicht in der beneidenswerten Lage sind, die homerischen Gedichte in des Dichters eigner Sprache kennen zu lernen, Homer sich als einen treuen Mentor erweisen, der ihnen oft als lieber Freund und bewährter Ratgeber auf dem Wege durch die Schule zur Seite stehen wird, auf dem Wege nicht nur durch die augenblicklich von ihnen besuchte Schule, sondern auch durch die Schule, die später ihre Rechte mit allem Nachdruck geltend machen wird, die Schule des Lebens.