Aufsatz 
Die Ilias im deutschen Unterrichte der Realanstalten / von Joseph Mathi
Entstehung
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Hera. L. Da könnt ihr so recht deutlich sehen, dass die Gottheiten der Griechen trotz so vieler Vorzüge doch auch gar manche Schwächen hatten, dass sie also keine vollkom- menen Wesen waren. Wie viel reiner und erhabener sind doch unsere Vorstellungen von der Gottheit! Merkt euch gleich bei dieser Gelegenheit, dass einst die übrigen olympischen Götter dem Zeus eine grosse Schmach anthun wollten, vor welcher er jedoch durch die Meer- göttin Thetis bewahrt blieb.(Näheres hierüber in der unverkürzten Ilias I, 396406.)

Hat man so hinsichtlich eines Gegenstandes das Hauptsächliche in der Vorbespre- chung erledigt, was zum ersten Verständnisse des betr. Abschnitts, hier also des 1. Gesangs, zu wissen nôtig ist, so kann es nichts schaden, wenn man einmal nachfragt, ob einer der Schüler über den betr. Gegenstand noch etwas zu sagen wisse. So wird gewiss in diesem Falle der eine oder andere sich melden und auf den Schild des Zeus, die Agis, die Rede bringen; über diese muss dann auch das Nötige mitgeteilt werden. Gehört das von dem Schüler Vorgebrachte nicht zur Sache, so geht man darüber weg, unter Umständen vertröstet man die Schüler auf eine spätere Gelegenheit.

L. Schon vorher hörten wir die Gattin des Zeus nennen. Wie heisst sie? S. Hera. L. Wer kennt ihre Hauptverehrungsstätte in Griechenland? S. Argos(Karte!). L. Richtig. Dort wurde sie hoch verehrt, weshalb sie auch den Achäern, welche damals in Argos und dem grössten Teile des Peloponnes ihre Wohnsitze hatten. besonders zugethan war. Die Achäer nun waren dazumal der hervorragendste griechische Volksstamm, dem auch Aga- memnon, der Oberanführer des griechischen Heeres, sowie sein Bruder Menelaos und mehrere andere ausgezeichnete Heerführer angehörten. Was darf man daher wohl bezüglich des Verhältnisses der Hera zu den vor Troja kämpfenden Griechen überhaupt annehmen? S. Hera wird wohl den Griechen ihre ganz besondere Gunst zugewandt haben. L. Ja, so war es auch, sie war die grösste Freundin der Griechen, die auch geradezu Achäer genannt werden, und die erbittertste Feindin der Troer. Letzteren zu zürnen, hat sie noch einen ganz besonderen Grund; sie ist es nämlich, unter deren Schutz Ehe und Familienleben stehen. Da nun Paris, der Sohn des Priamos, durch die Entführung der Helena in die geheiligten Rechte des Ehebundes und das Glück des Familienlebens mit frevelhafter Hand eingegriffen hat, und da die Troer durch Verweigerung der Herausgabe der Helena sich zu Mitschuldigen des Paris machten, so luden sie den schweren Zorn der Göttin auf sich. L. Weiss einer etwas über die äussere Erscheinung der Hera zu sagen? S. Sie ist eine Göttin von hoheitsvoller Schönheit und majestätischer Gestalt; ihr ganzes Wesen ist von einem feierlichen Ernste getragen. L. Du hast richtig ihre Schönheit hervorgehoben. Homer bedient sich nun zur Darstellung körperlicher Schönheit verschiedener einfacher, aber wirkungsvoller Mittel. Oft bewirkt er es durch ein einziges bezeichnendes Eigenschaftswort, dass wir uns von einer Persönlichkeit eine Vorstellung als von einer schönen Persönlichkeit machen können. So nennt er gleich im ersten Gesange Hera zu wiederholten Malen dielilienarmige.(Kurzer Hinweis auf das, was Homer mit diesen Attribute sagen vwill).

L. Wer kann die Brüder des Zeus nennen? S. Poseidon und Pluto. L. Welche Herr- schaft fiel bei der Teilung der Gewalten unter die 3 Brüder dem letzteren zu? S. Die Herrschaft über die Unterwelt. L. Weil er in der Unterwelt wohnte, war er für die auf der Erde leben- den Menschen unsichtbar, darum heisst er auch der Unsichtbare oder griechisch Hades. Die Unterwelt war also des Hades Reich, sie wird auch selbst Hades genannt. Hierhin kamen die Seelen der Menschen(Schatten) nach dem Tode.

L. Unter den Kindern des Zeus habt ihr gewiss schon eine Göttin kennen gelernt, die auf ganz aussergewöhnliche Weise ins Dasein trat. Welche meine ich wohl? S. Pallas Athene.(Aussere Erscheinung! Abbildung!) L. In früheren Klassen habt ihr von ihr schon manchmal gehört, ihr wisst also jedenfalls, dass sie einen durch seine Tapferkeit und mehr noch durch seine Klugheit hervorragenden Griechenhelden in besonderer Weise schützte. Welchen Helden meine ich? S. Odysseus. L. Den Tapferen und Klugen also, wie Odysseus war, gewährt sie gern ihren Schutz und ihre Hilfe, sie wird also auch dem Tapfersten aller Griechenhelden, wenn dieser ihres Schutzes oder ihres Rates bedarf, nicht fern sein; der Held, den ich im Auge habe, war ja auch zugleich ein sehr geistreicher Jüngling. Wer ist dieser?