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Die Reifeprüfung zu Herbſt 1900 wurde unter dem Vorſitze des Herrn Provinzial⸗Schulrats Dr. Paehler am 7. Auguſt abgehalten; der Prüfling erhielt das Zeugnis der Reife. Am folgenden Tage wohnte der Königliche Kommiſſar dem Unterrichte einiger Lehrer in verſchiedenen Klaſſen bei.
Die Herbſtferien dauerten vom 14. Auguſt bis 18. September. Im Anfange des Winter⸗ Semeſters wurden 11 Schüler neu aufgenommen.
Am 24. und 25. September unterzog der Dirigent der Königlichen Turnlehrer⸗Bildungs⸗ Anſtalt zu Berlin, Herr Schulrat Küppers, den Turnunterricht an dem Gymnaſium einer ein⸗ gehenden Beſichtigung und ſprach ſich über den Betrieb und die Erfolge des Unterrichts in aner⸗ kennender Weiſe aus.
Am 27. September nachmittags beſichtigten die Schüler der drei oberen Klaſſen in Be⸗ gleitung ihrer Lehrer die von Herrn Miniſterialrat W. Soldan aus Darmſtadt entdeckte Hall⸗ ſtattniederlaſſung an der Straße Montabaur— Coblenz unweit Neuhäuſel. Die Erläuterungen, welche Herr Soldan ſelbſt in liebenswürdigſter Weiſe über den intereſſanten Fund an Ort und Stelle gab, erregten das größte Intereſſe bei Lehrern und Schülern. Zu dem geplanten Ausbau einer der auf⸗ gedeckten Hütten in der Geſtalt, wie ſie wahrſcheinlich früher beſtanden, iſt eine Sammlung in unſerem Kreiſe veranſtaltet worden, zuder Lehrer und Schüler anläßlich des intereſſanten Ausfluges M. 38.20 beitrugen.
Am 18. Januar beging die Anſtalt das 200jährige Jubiläum des Königreichs Preußen durch eine gemeinſame Feier in der Aula mit Muſik, Geſang und Deklamationen. Die Feſtrede hielt Oberlehrer Theodor Becker. Tags zuvor wurden 58 Exemplare eines farbigen Gedenkblattes, die uns von der vorgeſetzten Behörde zur Verfügung geſtellt waren, an die beſſeren Schüler aus den verſchiedenen Klaſſen verteilt. Im Hinblick auf dieſe nationale Feier wurde laut Beſtimmung Seiner Majeſtät am Kaiſersgeburtstage von beſonderen feierlichen Veranſtaltungen abgeſehen, doch wurde bereits am Tage vorher auf die Bedeutung des Tages in den Klaſſen hingewieſen. Die übrigen vaterländiſchen Gedenktage, die Geburts⸗ und Todestage der in Gott ruhenden Kaiſer Wilhelm I. und Friedrich, ſind in der Aula feſtlich begangen worden.
Seine Majeſtät der Kaiſer und König geruhten aus Anlaß des Krönungs⸗ und Ordensfeſtes am 18. Januar d. J. dem unterzeichneten Direktor den Roten Adlerorden vierter Klaſſe zu verleihen.
Die mündliche Reifeprüfung zum Oſtertermin d. Is. fand unter dem Vorſitze des Herrn Provinzial⸗Schulrates Dr. Paehler am 11., 12. und 13. März ſtatt. An den beiden erſten Tagen unterzogen ſich der Prüfung 11 Nichtſchüler, die unſerer Anſtalt überwieſen worden waren; 6 von ihnen erhielten das Zeugnis der Reife, unter dieſen auch eine Dame, Fräulein Luiſe Lindhamer aus München.
Am 13. März wurden die Abiturienten unſeres Gymnaſiums geprüft. Sämtliche 27 Prüf⸗ linge beſtanden, 21 von ihnen unter gänzlicher Befreiung von der mündlichen Prüfung.
Der Geſundheitszuſtand war bei Lehrern und Schülern im allgemeinen befriedigend, doch mußte unſer techniſcher Lehrer Wilhelm Seck wegen nervöſen Leidens während des ganzen Schul⸗ jahres Urlaub nehmen. Seine Vertretung übernahm Paul Buſchmeyer, Lehrer zu Niederklein bei Marburg. Außerdem wurden krankheitshalber Profeſſor Bloemer an 8 Tagen und Oberlehrer Eiſel an 6 Tagen in verſchiedenen Unterrichtsſtunden vertreten.
Leider hat das Gymnaſium das plötzliche Hinſcheiden eines ſeiner begabteſten und bravſten Schüler zu beklagen. Das furchtbare Bootsunglück auf dem Rhein bei Bingen am 17. April 1900 raubte, wie mehreren anderen früheren Schülern unſerer Anſtalt, ſo auch unſerem lieben Oberprimaner Johann Prinz aus Rüdesheim a. Rh. ſein junges, hoffnungsvolles Leben. Bei ſeiner Beſtattung am 3. Mai in Rüdesheim gaben ihm ſeine Klaſſenkameraden in Begleitung des Direktors und des Ober⸗ lehrers Maßfeller das letzte Geleite und legten tief erſchüttert einen Kranz auf das Grab des ſo früh verblichenen Mitſchülers. In der hieſigen Pfarrkirche wurde für den Verſtorbenen von ſeiten des Gymnaſiums ein Requiem gehalten. R. i. p..


