Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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bei uns eine Zeitlang gemacht hat, auch von den Vorschülern eine Aufnahmeprüfung zu ver- langen, ist wieder aufgegeben worden, und ich möchte der Wiederherstellung dieser Prüfung nicht das Wort reden. Einmal müßte dieselbe eine sehr eingehende und sorgfältige sein, wenn sie im Gegensatz zu dem Zeugnis der Vorschule ins Gewicht fallen sollte, und sodann würden wohl- habende Eltern alle Mittel in Bewegung setzen, um das Kind durch Privatstunden so weit zu bringen, daß es die Prüfung bestehen könnte. Dieser Mißstand kann nach dem jetzigen Lehr- plane zweierlei üble Folgen haben. Entweder der wirklich unbegabte, d. h. für die höhere Schule ganz ungeeignete, Schüler nutzt nun als Sextaner seine geringen Kräfte an einem Stoffe ab, dem er doch nicht gewachsen ist, und quält sich zwei Jahre lang mit Latein, um dann, als unbrauchbar, entfernt zu werden. Oder der in seiner geistigen Entwicklung sehr langsam Voran- kommende macht darum den Eindruck des Unbegabten, weil er für die fremde Sprache noch nicht reif genug ist. Er fällt entweder ein bis zwei Jahre lang als Sextaner unter das Matß, oder er muß auf der Vorschule das nämliche Pensum zum zweiten und dritten Male durchmachen und langweilt sich dabei. Wird aber die Sexta vom fremdsprachlichen Unterricht befreit, dann wird die wirkliche Befähigung des Schülers in seinem vierten oder fünften Schuljahre weit deutlicher zutage treten als auf der Vorschule. Die Bewältigung des Sextapensums, wie es oben beschrieben wurde, wird einerseits den Lehrer und hier wird fast der ganze Unterricht in die Hände eines einzigen Lehrers gelegt werden können in Stand setzen, den ganz Unbe- gabten von dem sich langsam Entwickelnden bestimmter zu unterscheiden, und andrerseits wird sie beiden in ihrer Muttersprache eine wertvolle Förderung angedeihen lassen. Allen Schülern aber wird das zuteil, woran es bisher so vielfach gemangelt hat, ein solides Fundament ihres sprachlichen Verstehens und Könnens, fest genug, um fortan den Aufbau der fremden Sprachen zu tragen. Gelingt es einem Sextaner auch in zwei Jahren nicht, die erfreuliche Sicherheit in der Beherrschung des Klassenpensums zu erlangen, so wird man den nun mindestens elfjährigen Knaben mit größerem Rechte nötigen können, die Anstalt zu verlassen, ohne daß er seine Kräfte an einer Sprache abgenutzt hat, für deren Erlernung ihm die Begabung fehlt.

Ich fasse zum Schlusse die Hauptgedanken dieser Arbeit zusammen. Es galt mir da- rum, nachzuweisen, daß die Vorschule unter einem unberechtigten Drucke, welcher von der höheren Schule auf sie ausgeübt wurde, von dem richtigen Wege des methodischen Elementar- unterrichts abgelenkt worden ist. Besinnt sie sich auf diesen Weg, wie ihn die Volksschule der Hauptsache nach vorzeichnet, so ergiebt sich die weitere Notwendigkeit, auch den Lehrplan der Sexta umzugestalten, so zwar, daß der Elementarunterricht erst hier seinen Abschluß findet und der fremdsprachliche Unterricht in Quinta beginnt. Kein Schüler braucht dann vor vollendetem zehnten Jahre sich mit diesem zu befassen; auf der weit festeren Unterlage eines vierjährigen deutschen Sprachunterrichts und ausgerüstet mit einer planvollen methodischen Vorbildung aller Geisteskräfte und mit den erforderlichen Fertigkeiten, wird ihm die Erreichung der gleichen Unterrichtsziele wie bisher schon bis zur Untersekunda ermöglicht.

Wenn die Vorschule ihre gesamte Arbeit in der beschriebenen Weise umgestaltet, dann ist meines Erachtens ihre Position vom pädagogischen Standpunkte aus unanfechtbar. Angriffe, die von rein politischen Erwägungen aus gegen sie unternommen werden, braucht sie nicht zu berücksichtigen. Es hat der Schule noch niemals zum Segen gereicht, wenn sie zum Tummel- platze von Bestrebungen gemacht wurde, deren Ziele den ihrigen fremd waren.