Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluss dieses Unterrichts in der deutschen Sexta.

Eine pädagogisch-kritische Studie von Prof. Hermann Maxrx.

Der wahre Vorzug der Pestalozzischen Methode besteht darin, daß sie kühner und eifriger als jede frühere Methode die Pflicht ergriff, den Geist des Kindes zu bauen, eine bestimmt und hell angeschaute Erfahrung darin zu konstruieren, nicht zu thun, als hätte der Knabe schon eine Erfahrung, sondern zu sorgen, daß er eine bekomme. Herbart.

I. Einleitung: Geschichte der Vorschule.

In den seit der Reformation entstandenen höheren Schulen Deutschlands war die Erteilung des Elementarunterrichts in der Regel die Aufgabe der untersten Klassen ¹). So plieb es bis zum Anfange dieses Jahrhunderts. Als nach der Katastrophe von 1806 das preußische Schulwesen neuorganisiert wurde, überließ es die Regierung den Eltern, ihre Kinder für den Eintritt in Sexta vorbereiten zu lassen. Der Mangel an dazu geeigneten Volksschulen führte zur Errichtung zahlreicher Privatinstitute. Da diese aber vielfach weder den Wünschen der Eltern entsprachen, noch auch eine gleichmäßiige Vorbildung der Schüler sicherten, nahm die Regierung selbst seit 1859 und besonders seit 1863 die Förderung dieser Vorbildung durch Gründung von Vorschulen in die Hand. 1873 waren bereits von 435 höheren Lehranstalten 200 mit Vorschulen ausgestattet. Diese erwarben sich bei den Eltern ihrer Schüler viele Freunde, wurden aber von anderer Seite aus politischen und sozialen Gründen vielfach angegriffen. Eine von Minister Falk berufene Konferenz von Schulmännern war einstimmig der Ansicht, daß das Bestehen besonderer, von der Volksschule getrennter Vorbereitungsklassen durchgängig ein Bedürfnis sei. Hierbei wurde hervor- gehoben, daß die Vorschule das einzige Mittel sei, der Privatlehrerei auf diesem Gebiet ein Ende zu machen, und jenen Angriffen gegenüber betont, daß die höheren Schulen mehr als irgend eine andere Einrichtung Standes- und Vermögensunterschiede verwischen, daß daher die von der Scheidung der Stände hergenommenen Bedenken gegen diese Veranstaltung nur theoretischer Natur seien. Seitdem haben die Vorschulen eine weitere bedeutende Vermehrung erfahren, und am 23. April 1883 ist ihnen durch die»allgemeinen Bestimmungen ²)« eine einheitlichere Organisation verliehen und ein bestimmter Platz im Rahmen des höheren Unterrichtswesens angewiesen worden.

Hier in Frankfurt hat von den höheren Lehranstalten zuerst die Musterschule Elementarklassen gehabt, und zwar seit ihrer Gründung im Jahre 1803; als Vorschule werden diese Klassen zuerst seit 1868 bezeichnet. Diejenige der Wöhlerschule entstand im Jahre 1870

¹) Centralblatt für die gesamte U.-Verw. 1874 p. 102. Melanchthons Schulordnung. Raumer Gesch. d. Pädagog. I. p. 155. ²) Centralblatt f. d. gesamte U.-Verwaltung 1883. p. 423 ff.