Goethe und Schiller als Gegner des
Naturalismus.
Wir werden nur die Hauptpunkte hervorheben,!) doch ohne auf die Entwidlung näher einzugehen, wa3 fih mit NRücficht auf den Um- fang der Arbeit von jelbjt verbietet... Goethe rang ich durch feine italienische Reife, Schiller durch feine Beichäftigung mit Kant zu erhöhten Kımftanfchauungen empor; beide gelangten jedoch zu diefem gemeinfamen Ziele hauptjächlich dadurd, daß fie fich jelbft von an- haftenden Mängeln Jäuterten,. päter in gemeinfamer Arbeit. So ichufen fie die Elaffische Afthetif. SKumft ift nicht Natur allein; Schiller unterfcheidet(in der Abhandlung„Über naive und fentimentalifche Dichtung“) zwiichen roher und wahrer menschlicher Natur. Karl Jentich, dejfen Aufjaß?) mich vielfach anvegte, hat die Urteile Goethes treffend zufammengeftellt, allerdings mit Nücficht auf die bildende Kunft. In Betracht Eommmen bejonders die Aufläge: Einleitung in die Propyläen, Uber Wahrheit und Wahrfcheinlichfeit der Kunftwerfe, Der Sammler und die Seinigen, Diderot3 Verfuch über die Malerei(Überjekt und mit Anmerkungen verjehen). Die Quinteffenz der Ausführung ift folgende: Die Natur ift in feinem ihrer Produkte durchaus vollfommen; diefe Vollendung muß erft der geniale Künftler jchaffen, indem er aus eigener Intuition ein neues, über die„gemeine“ Wirklichkeit empor: gerüctes Gebilde jchafft. Freilich Fan der Naturalift dagegen ein- wenden, daß alles Natürliche, wenn e3 zum rechten Ausdrud kommt, berechtigt fei. Aber diefe Art der„Kunft“ gehört nach Goethe der Pathologie, aljo der Wiffenfchaft an. Ferner find die Gegenftände draußen urfprünglich ohne Inhalt. Der Gelehrte fucht ihr Welen zu erforschen, der Künftler muß erjt das Befte aus fich Hinzutun. Somit
ı) Dtto Harnad, die Maffische Aftgetit der Deutjchen u. a. W. 2) Goethe über den Naturalismus in der Kunft.(Frankfurter Zeitung Nr. 291, Yhrgg. 1894.)


