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fein leeres Tändeln mehr, nicht verfleidete Hirtenpaare mit arfadiichen Benennungen wandeln daher und täuschen fich und anderen Empfindungen vor. Grufte Gefühle walten vor, die harte Wirklichkeit ift teilweile dargeftellt. Auch von Emilia Galotti fann man, wenn auch in viel geringerem Maße, Ähnliches jagen. Die Tragddie ift Doch im ganzen mehr erdacht, nach) Negeln Eonftruiert und erinnert mehr an die alten pathetijchen Stüde wie an Gottjcheds„Sterbenden Stato“ oder an Philotas. Der Bater„ist im bürgerlichen Drama der Vertreter der Humanität“. Das trifft zu, wenn man unter leßterem Begriff nicht Schöne Menjch- lichfeit, jondern die Allgemeinverbindlichfeit der Memdchenrechte veriteht. Ddvardo ift ftreng und unerbittlich, ein ferniger Wirflichkeitämenich (vergl. Otto Ludwigs Erbförfter), der lieber Handelt als Worte macht, dabei voll innigiter Liebe zu feinem Sinde. Er tötet jein Liebites und fi jelbit:„Medea, indem fie ihre Kinder ermordet, zielt bei diejer Handlung auf Safons Herz, aber zugleich führt fie einen schmerzlichen Stich auf ihr eigenes, umd ihre Nache wird äfthetifch erhaben, jobald wir die zärtlihe Mutser fehen.“!) Gerade dad rein Künftleriiche, das Licht neben dem Schatten, vermißt der jpätere Goethe:„Den ent- fchiedenften Schritt(zu„Herabjegung der höheren Stände“) jedoch tat Lejfing in der„Emilia Galotti“, wo die Leidenjchaften und ränfe- vollen VBerhältniffe der höheren Regionen jchneidend und bitter gejchildert find.“2) Die Frage nad) dem Grunde feines Urteiles, das fich aus der Abneigung gegen jugendlich ungeftimen Freiheit3drang erklärt, berührt und hier nicht. Von Wert ift nur die Tatjache, daß man die oberen Gejellichaftöfreife mit zu düfteren Farben, alfo„naturaliftiich” ichilderte. Leifings Nathan der Weife behandelt mehr eine dee, ein beglitdendes, aber nie zu erreichendes Zufunftsbild.
Der Nücbli auf das Zeitalter der Aufklärung und des Pietismus ergibt folgendes: Nouffean jah in der Natur eine nur freundliche umd liebevoll beforgte Mutter, die immer beftrebt fei ihre Schüßlinge gegen verderbliche Kulturentwiclungen zu fichern oder ihnen die verlorene Gejundheit wiederzugeben. Daraus fonnte nur ein jentimentales Ge- fühl entjtehen, ungefähr wie e3° der Großftädter heute noch teifweile eınpfindet, wenn er aufs Land fommt. QVom„Frühlingszauber“ Ihwärmt eine empfindfane Figur in einem neumodijchen Stüd, bis 3 dem Zuhörer felbft ganz wehe wird. Diefer Rührton Klingt um$ aus manchen Gedichten der Zeit entgegen, 3.8. aus Geßner3 Ydyllen. Doch Ipielt dabei noch ein anderer Faktor wejentlich mit. Die Ana- freontifer(al3 letter Johann Georg Jafobi 1740/1814, der Bruder
) Schiller, Über das Pathetifche(1793).
>) Dihtung und Wahrheit, 13. Bud.


