Aufsatz 
Die Stellung unserer Klassiker (besonders Goethes und Schillers) zur naturalistischen Richtung. Eine entwicklungsgeschichtliche Studie
Entstehung
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Methoden der Naturwiffenichaften geboten haben und von einemex- perimentellen Drama oder Noman träumten. Das jagt Benedetto Groce!), der im jedem twifjenschaftlichen Werke zugleich ein Kumft- werk fieht. Sedenfall3 geht für die naturaliftiihe Nichtung daraus zweierlei hervor: Sie ift eine Abwendung von der Phantafie und jucht fich der Wiffenschaft anzugleichen. Ihre Hauptvertreter im legten Viertel de vorigen Jahrhunderts find natırrwifienschaftlichh bedingt (böfer Blick, von Ibjen ausgehend) und glauben ein Dichtwerk zu Ihaffen, wo fie Ergebniffe nüchterner und oft fraglicher Beobachtung al3 Nichtfachmänner verarbeiten. Damit jinft der Dichter unter das Niveau des Gelehrten und Forjchers herab. Gottiched freilich ift Fein Träumer. Sein Herr und ‚Gebieter ift der hausbadene Berftand. Mit Hilfe diejes regelt man die wirtfchaftlichen Gejchäfte, die Moral und aud die Poejie. Was man damit begreift, ift auch für die Dichtung ausreichend. Im diefer Hinficht darf auch fein Berfahren al3 naturaliftifch bezeichnet werden; unter Natur verftand man eben nur, was man mit dem nüchternen Veritande zu exrfaflen vermochte. Man jucht einen Gedanken aus fich, erfindet dazu eine Handlung oder Fabel und die Dichtung ift fertig. Auch aus der Nahahmımgstheorie des Charles Batteng(171380)?) entnimmt er mm foviel, als ihm genehm war. Deffen Trait des beaux arts reduits A un m&me principe (1746) übertrug er auszugsweife ins Deutfche?).Die Überlegenheit Battery in diefer Hinficht(der geläufigen Tradition gegenüber)hat Gottjched nicht eingefehen und einjehen wollen. Dieje Überlegenheit beitand aber vorzüglich in der bewußten Forderung der Zdealifierung, nämlich Auswahl aus der Natur und Verfchönerung. Übrigens wird Gottjched in den Literaturgefchichten meift etwas zu mwegwerfend be- handelt. Außer den befannten Verdienften(Kampf gegen den ver- wilderten Gejchmad uf.) bejeitigt er(nach) Schenker) die völlig in- haltlojen Bersfünfteleien, fchreibt ein gutes, reines Deutich in der damaligen Zeit und ift überhaupt ein biderber deuticher Mann(Goethes Dihtung und Wahrheit, 8. 7). Über die Streitigfeiten mit den Schweizern können wir hinweggehen. Was fie fordern(Bhantafte, da3 Wunderbare), geht über den Naturalismus hinaust), Die Grund-

4) HftHetik als Wifjenjchaft de8 Ausdruds und allg. Linguiftif(überjegt von Karl Federn)©. 33. Leipzig 1905. U. Seemann.

2) Schenker, Charles Batteuz und feine Nahahmungstheorie in Deutjch- land, 1909.

>) Auszug aus des Herin Batteur Schönen Künften, Leipzig 1754.

(aufer Breitmaier): Heinrich dv. Stein, Die Entjtehung

der neueren Athetif, Stuttgart 1886; NR. Sommer, Grundzüge einer Gejchichte der deutichen Piychologie und Hfthetit von Wolf-Baungarten bi8 Kant-Sciller,