Aufsatz 
Die Lehre vom Gedächtnis mit besonderer Berücksichtigung der kindlichen Entwicklung
Entstehung
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IV. Chronik der Schule. Montag, 21. April 1884, fand vormittags die Aufnahme⸗Prüfung ſtatt, nachmittags wurden die

neu aufgenommenen Schüler und Schülerinnen in die Schule eingeführt, Dienſtag, 22. April früh 7 Uhr wurde das Schuljahr feierlich eröffnet.

Der auf Grund des Miniſterialerlaſſes vom 23. April 18883 feſtgeſtellte Lehrplan für die Vor⸗ ſchule(ſ. Einladungsſchrift vom vorigen Jahre, S. 25 u. 29) gelangte in den Vorſchulen der Real⸗ und der höheren Töchterſchule in dieſem Jahre zum erſtenmale zur Durchführung. Es iſt nunmehr von dem Kgl. Prov. Schulkollegium bis auf weiteres angeordnet, daß diejenigen Schüler der mit den hieſigen Realanſtalten verbundenen Vorſchulen, welche durch das Vorſchulzeugnis als reif für die Sexta erklärt worden ſind, bei unmittelbarem Uebertritt in das hieſige Gymnaſium einer Aufnahmeprüfung für die Gymnaſial⸗Sexta nicht zu unterziehen ſind.

In den beiden oberſten Mädchenklaſſen wurde mit Beginn des Schuljahres der Turnunterricht eingeführt, ſo daß nunmehr von der zweiten Vorſchulklaſſe an, ſämtliche Mädchenklaſſen im Turnen unterrichtet werden.

Im Mai fanden die üblichen Klaſſenſpaziergänge ſtatt; auch ſonſt wurden von einzelnen Klaſſen freie Nachmittage zu Ausflügen benützt; im Laufe des Winters wurden wiederholt Nachmittage zum Schlitt⸗ ſchuhlaufen frei gegeben. Der Tag von Sedan wurde durch eine Schulfeier mit Geſang und Deklamation feſtlich begangen; die Feſtrede hielt der ord. Lehrer Herr Dr. Steinhard über Blücher. Daran ſchloß ſich ein Schauturnen, beſtehend aus einem Aufmarſch ſämtlicher Schüler der Realſchule, Frei⸗ und Ord⸗ nungsübungen, Geräthturnen, Ballſpiel. Alles war von dem Turnlehrer Herrn Schulz ſorgfältig vor⸗ bereitet, und wurde unter ſeiner Leitung mit Präciſion und Gewandtheit durchgeführt. Mit einem Hoch auf S. M. den Kaiſer wurde die Feier, bei welcher außer dem geſamten Lehrer⸗Kollegium auch Eltern der Schüler anweſend waren, geſchloſſen. Bei der bevorſtehenden Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs wird der ord. Lehrer, Herr Dr. Kracauer, die Feſtrede halten: leeber die maritimen Beſtrebnngen des großen Kurfürſten.

Das Sommerſemeſter brachte uns eine Reihe ſchmerzlicher Verluſte. Am 9. Juni ſtarb der ſeit dem März 1883 emeritierte Lehrer, Herr Dr. Bernhard Lehmann. Geboren am 1 Auguſt 1819 hier zu Frankfurt a. M., Sohn des am 3. Dezember 1834 verſtorbenen Lehrers an unſerer Schule Lehmann Hanau, abſolvierte er zuerſt unſere Schule, dann das hieſige Gymnaſium, ſtudierte zu Bonn und Leipzig neuere Sprachen und trat ſchon Ende 1841 als Lehrer an unſerer Schule ein, an welcher er über 41 Jahre ſegensreich gewirkt hat. Lehmann war ein greradſinniger, offener, treuherziger, beſcheidener Mann, ein kenntnisreicher, pflichttreuer, überaus eifriger und anregender Lehrer, der am Lernen und Lehren ſeine Luſt fand. Bei ſeinem raſtloſen Fleiß gewann er auch noch Zeit zu litterariſchen Arbeiten.*) Seine

*) Es ſind von Dr. Lehmann erſchienen: Funk's Spaniſche Sprachlehre, 3. u. 4. Aufl., verbeſſert u. herausgeg. von Dr. B. Lehmann. Frankfurt a. M. Jügel. Gramatica alemana pura los Españoles por Dr. B. L. Frankfurt a. M. Jügel 1865. 2. Aufl. 1876. Fiori Manuale della conversazione italiana e tedesca 3 edizione rivedata e aumentata da Dr. B. Lehmann. Stuttgart. P. Neff. Rhode's Handbuch der Handelskorreſpondenz und des Geſchäftsſtyles in Deutſch, Franzöſiſch, Engliſch, Italieniſch und Spaniſch von Dr. B. Lehmann. Frankfurt a. M. Sauerländer. Teatro español I. El principe Constante de Calderon. Mit deutſchen Anmerkungen von Dr. B. Lehmann. Frankf. a. M. J. D. Sauerländer. 1877. Teatro español II. La vida es sueño por Calderon. Mit deutſchen Anmerkungen von Dr. Bernh. Lehmann. Frankfurt a. M. Sauerländer. 1880. Spaniſche Grammatik, Ollendorfs Methode. 7. Aufl. 1878. Außerdem mehrere Aufſätze im Herrig'ſchen Archiv.

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