Aufsatz 
Ein Ferienaufenthalt in Oxford
Entstehung
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Ein Ferienaufenthalt in Oxford

von

Oberlehrer G. Luley.

Im verflossenen Schuljahr benutzte Verfasser seine 4wöchigen Sommerferien im Juli zu einem Studienaufenthalt in Oxford, zu dessen Kosten ihm die Grossherzogliche Staatsregierung gütigst einen Zuschuss bewilligt hatte.

Wenn auch ein Aufenthalt von 4 Wochen nicht genügt, viele und reiche Erfahr- ungen aufsprachlichem und volkskundlichem Gebiet zu sammeln, so will ich doch das Wenige, das ich in dieser kurzen Zeit erlebt und gesehen habe, meinen geehrten Fachkollegen nicht vorenthalten.

Hinsichtlich der Wahl des Aufenthaltsorts war ich dadurch vor eine schwierige Frage gestellt, dass der ursprünglich für August September geplante Aufenthalt durch Aenderung der Ferienordnung an der Realschule Wimpfen schon für Anfang Juli vorge- sehen werden musste, zu welcher Zeit dieSummer Meetings zu Oxford(1905) und Edinburgh sowie der Ferienkurs in London noch nicht begonnen hatten. Das Oxforder Summer Meeting, über das Herr Professor J. Luley einen ausführlicheren Bericht in der Beilage zu dem Jahresbericht des Grossh. Realgymnasiums und der Realschule zu Giessen für 1901/02 gegeben hat, begann 1905 erst am 4. August, der Ferienkurs in London währte vom 17. Juli bis zum 18. August*). Die Summer Meetings in Edinburgh finden nach Prof. A. Reusch**) ebenfalls erst im August statt, Ich entschied mich schliesslich für Oxford. Zu dieser Wahl bestimmte mich ein Prospekt von Ruskin College in Oxford. Nach dem Prospekt bietet dieses College jungen Männern, Engländern, zu einem billigeren Preis als die Oxford Colleges Gelegenheit zu weiterer Ausbildung. Für diestudents sind Vorlesungen über Geschichte, Soziologie, Staatswirtschaftslehre, Englische Einrichtungen, soziale Fragen usw. vorgesehen. Fremde Studierende können unter denselben Bedingungen wie Einheimische Aufnahme in dem College finden. Bei der Zulassung von Fremden lässt man sich von dem Gedanken leiten, dass ihr erzieherischer Einfluss sehr geeignet ist, die Ideen derstudents zu erweitern. Für die Fremden ist besonderer Unterricht in Phonetik, Englischer Grammatik und Literatur, Buchführung, kaufmännischem Rechnen vorgesehen. lch glaubte, dass mir dieses Institut einerseits günstige Gelegenheit biete, gutes Englisch

*) Siehe den Bericht darüber von Dr. E. Schott in den Südwestdeutschen Schulblättern 1905, Heft 9,

S. 301 ff.. **) A. Reusch, Ein Studienaufenthalt in England, Marburg, Verlag von Elwert.