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Militair⸗Caſerne wehten Fahnen. Es war, als wollte die eine derſelben auf den engen Verband hindeuten, in welchem der preußiſche Kriegerſtand ſich mit der Schule weiß, die andere an die Thatſache erinnern, daß das Gymnaſium eine kirchliche Stif⸗ tung iſt. Um 6 Uhr läutete die Stadtkirche mit den weithin hallenden Tönen ihrer Oſterglocke den Vorabend des Feſtes ein, das in ihren Räumen am kommenden, Morgen ſeine heilige Weihe erhalten ſollte.
Um dieſe Zeit begaben ſich die auswärtigen Gäſte, deren ſich bereits eine ziemliche Zahl eingefunden hatte, auf den Sunkelſchen Felſenkeller vor dem Frauenthore. Meiſt ehemalige Zöglinge der Anſtalt, waren ſie hocherfreut, einem Theil ihrer Mitſchüler und Lehrer bei einer ſo glücklichen Veranlaßung wie⸗ der zu begegnen; einen wahren Jubel aber erregte unter ihnen die Ankunft des früheren Directors Dr. Münſcher, dem alle das alte Herz und die alte Liebe entgegentrugen. Erſt mit ein⸗ brechender Dunkelheit verließen die Gäſte den Ort ihres trau⸗ lichen Beiſammenſeins, um dem Fackelzug der Gymnaſiaſten bei⸗ zuwohnen.
Von dem Vorplatze der Stiftskirche aus zogen gegen halb 10 Uhr die Fackelträger unter abwechſelndem Muſik⸗ und Trom⸗ melſchall um den Marktplatz herum durch die Johannisſtraße auf den Hof des Gymnaſiums. Hier bildeten ſie einen großen Kreis und brachten nach einer begeiſterten Anſprache des Pri⸗ maners Ernſt Henkel der Anſtalt ein donnerndes Hoch. Von da kehrte der Zug über die Breiten⸗ und Weinſtraße wieder nach dem Marktplatze zurück, auf welchem die Fackeln unter den Tönen eines vom Geſanglehrer Anacker mit Orcheſterbegleitung componierten Männerchors verbrannt wurden. Dieſe Vorfeier ging ohne die geringſte Störung von ſtatten, Dank der würdig⸗ ernſten Haltung der Gymnaſiaſten, dem eifrigen Bemühen der Polizei und vor allem der Bereitwilligkeit, womit der Befehls⸗ haber der hieſigen Garniſon, Herr Oberſtlieutenant Preuß,


