Aufsatz 
Über den deutschen Unterricht auf Gymnasien / Loeber
Entstehung
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mit deutschem Denken und Fühlen erfüllen, daß er später, zum Manne geworden, ein deutscher Mann in seinem Fühlen, Denken und Handeln ist, geziert mit all den Tugenden, die wir gewohnt sind, als charakteristisch für unsere Vorfahren zu bezeichnen. So kann die deutsche Stunde eine Stunde der Weihe werden und wie sie nach altem Brauch in den Zeugnissen neben Re- ligion die zweite Stelle einnimmt, in Wahrheit Hand in Hand mit dem Religionsunterricht im höchsten Sinne erziehend auf die Jugend unseres Vaterlandes wirken, deren Wahlspruch stets sein und bleiben mögemit Gott für König und Vaterland. Soll der Unterricht in diesem Geiste gegeben werden, muß freilich erstens der Lehrer eine Persönlichkeit sein, die in diesem Sinne zu wirken begabt ist, zweitens muß aber auch das Lesebuch der Art sein, daß es dem Lehrer die Möxglichkeit zu solchem Unterrichte giebt. Der Lehrer kann zwar manches schöne Lesestück mitbringen und den Schülern vorlesen, und man glaube nicht, daß eine solche Stunde, in der ein dazu befähigter Lehrer ein gemütvolles deutsches Stück seinen Schülern vorliest, verloren sei. Durchs Hören wird bekanntlich der Sprachsinn bedeutend gepflegt, aber die Leseübungen der Schüler werden, geschieht es häufiger, vernachlässigt, andererseits hat auch der Lehrer nicht immer Muße zur Auswahl. Das Lesebuch bleibt also von der größten Wichtigkeit für den Unterricht auf der unteren und mittleren Stufe. Bei der Abfassung unserer gebräuchlichsten Lesebücher aber hat die Zusammenstellung der Lesestücke leiden müssen unter dem Gedanken, das Deutsche auf der unteren und mittleren Stufe sei der Handlanger anderer Fächer. Diesem Gedanken hat sich das so viel gebrauchte Lesebuch von Hopf und Paulsiek nicht ganz ent- zogen. Den beiden Bänden für Sexta und Quinta merkt man sofort die Absicht an, in den Gedankenkreis des Altertums die Schüler einzuführen. Unsere Lesestufen bekommen so, mit Verlaub, leicht etwas philiströses. Der Band für Sexta behandelt auf 51 Seiten von 121 griechisch- römisches, die 70 anderen Seiten enthalten recht schöne, das jugendliche Gemüt ansprechende Geschichten, also doch fast die Hälfte griechisch-römisch bei zwei, höchstens drei deutschen Stunden und deutsche Geschichte kommt doch erst an den Tertianer. Sieht man die Stücke der beschreibenden Prosa an, wird man auch bemerken, daß deutsches Land und Volk nicht sehr berücksichtigt ist. Hätte den verdienstvollen Verfassern nicht vielleicht neben anderen Kutzens deutsches Land manches passende liefern können. Aber auch die ganze Zerlegung des Inhaltes dieses Buches, die scharfe Sonderung von Poesie und Prosa, die Trennung der Prosa wiederum in Erzählungen, Fabeln, Märchen, Sagen, geschichtlichen Darstellungen, Natur- bildern, geographischen Bildern und dann die der Poesie, ich will nicht alles herzählen, es kann es, wer will, selbst sehen, macht einen gar zu lehrhaften Eindruck. Ist denn das Wort Wackernagels, das er in seinem Büchlein über unsere Muttersprache, das Schrader in seiner Erziehungslehre ein goldenes nennt, ganz vergessen, wenn er das deutsche Lesebuch mit einem geschmackvoll angelegten Blumengarten vergleicht. Welchen Zweck aber verfolgen die Verfasser mit solchen Einteilungen? Wir sollen doch am Ende nicht gar schon die Sextaner und Quintaner aufklären über den Unterschied von Märchen und Sage, von epischen und lyrischen Gedichten, aber auch die scharfe Trennung von Poesie und Prosa, wie sie die Lesebücher meist haben, halte ich für die unteren Stufen wenigstens nicht für angemessen. Ist sie in Wirklich- keit doch gar nicht so leicht zu machen? Wie manches ist Prosa trotz gebundener Form, wie viel Poesie enthält manches Erzeugniß in ungebundener Form. Grade der Wechsel von Er- zählungen und Gedichten verleiht einem Lehrbuche eine gewisse Anmut, die auch ein Kind wohl herausfühlen kann und durch die es sich angezogen fühlt. Ist aber ein Buch nach Inhalt und Form allzu lehrhaft, dann wird es leicht, wie jedes andere Lehrbuch, dem Jungen ein