Aufsatz 
Zur Kritik des II. Buches der Gesta Friderici von Otto von Freising / von Karl Lindt
Entstehung
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5 oben angeführten Umstände den Bruch des deutschen Königs mit den Mailändern zeitigte. Angesichts der Ungunst der Witterung, der Beschwerden, die der Marsch durch jene unwirt- baren Gegenden mit sich brachte, angesichts des Mangels an Lebensmitteln, der jetzt fühlbar zu werden begann, ergriff nämlich laut Bericht des Freisinger Bischofs die deutschen milites eine tiefe Erbitterung gegen die Mailänder und sie bestürmten den König, die Feindselig- keiten gegen diese zu eröffnen. Jedenfalls, so vorsichtig auch der Geschichtschreiber des ersten Romzugs Barbarossas sich ausdrückt, denn nicht ohne Absicht ist hier wohl das Wort dicitur gewählt, scheint mir der Wortlaut der gesta keinen Zweifel darüber zuzulassen, dass Friedrichs Entschluss, mit Mailand zu brechen, wesentlich von der Stimmung der deutschen milites beeinflusst war.

Im Kapitel 14 der gesta erscheint dann gleichfalls Friedrichs Verhalten in wenig günstigem Lichte.

Da berichten die gesta!), der Brief schweigt hiervon dass in Mailand bald nach Er- öffnung der Feindseligkeiten durch die Deutschen eine Empörung ausbrach. Diese Volksbewegung richtete sich gegen Gherardo Nero, einen jener Konsuln, die jüngst die deutschen milites in die un- wirtsamen Gegenden geführt und damit die Veranlassung zum Konflikt zwischen Mailand und dem deutschen Könige gegeben hatten. Otto führt diesen Vorgang auf den Wunsch einer Partei innerhalb der Mailänder Bürgerschaft zurück, den Zorn des deutschen Königs zu besänftigen. Aber dieser fühlte keine Neigung, der versöhnlichen Stimmung, die nun in Mailand zu Tage trat, Rechnung zu tragen und war entschlossen, die Feindseligkeiten gegen die Stadt fort- zusetzen.

Liegt nun nicht in der Darstellung der gesta ein Tadel gegen Friedrich?

Ebenso verrät uns das 15. Kapitel der gesta, wie wenig Otto geneigt ist, aus Rück- sicht auf seinen kaiserlichen Verwandten die Wahrheit zu verschweigen.

Friedrich bespricht in seiner Darstellung des Romzuges kurz die Zerstörung von Chieri, das er eine villa maxima et munitissima nennt, und verzeichnet dann die Einäscherung von Asti²). Offenbar soll die Kennzeichnung Chieri's als einer sehr grossen und stark befestigten Stadt, auf den Leser den Eindruck ausüben, als sei deren Eroberung eine hervorragende militärische Leistung gewesen.

Wie stellt sich nun aber Otto von Freising zu seiner Vorlage? Nach den gesta) verlassen die Bewohner von Chieri beim Anmarsch der deutschen milites ihre Stadt und geben diese ohne Widerstand preis, und als dann Friedrich nach einigen Tagen wider Asti heran- zieht, wiederholen sich hier die Vorgünge von Chieri.

Die gesta drücken demnach die Erfolge, die Friedrich errungen haben will, hier ent- schieden herunter.

Gewissenhaft berichtet ferner der Freisinger Bischof die Thatsache¹), der Brief schweigt hierüber völlig wie die Zuchtlosigkeit im deutschen Heere derartig überhand nahm, dass der König zu einer Verschärfung der Kriegsartikel schreiten musste.

1) a. a. O. p. 398. Cap. 14. Mediolanenses Girardi consulis, tanquam huius mali auctoris, domum principis iram mitigaturi diruunt. At princeps huius rei nichil pensi habens, ad Ticinum usque amnem maiores his clades irrogaturus procedit. 2) a. a. O. p. 348. Inde Cheram maximam et munitissimam villam destruxi- mus, et civitatem Astam incendio vastavimus. 3) a. a. O. p. 399. Cap. 15. Ad quorum(oppidani Kairae) puniendam contumaciam dum rex exercitum ducit, illi ad vicina montana diffugiunt. Inde Astam procedens, vacuamque habitatore reperiens civitatem igni eam et direptioni dedit. 4) a. a. O. 399. Cap. 15. Ante vero quam ab inde(Asti) castra moverentur rex propter crebras, quae in exercitu ortae fuerant seditiones, aliqua militi in posterum profutura ordinare disponit........ legem dedit, ne quis infra castrorum ambitum

gladium portare auderet etc.