3
Thietmar bei einer so bedeutenden Persönlichkeit dasselbe nicht übergangen haben würde, und dass bereits in jener Zeit die Sage sich seiner zu bemächtigen begann. Die Wunder bei seiner Geburt mochten wohl von den Landsleuten des Willigis erzählt worden sein, und Thietmar schrieb sie, ganz nach dem Geschmack seiner Zeit an Wundern, gläubig nieder. Wann Willigis geboren ist, lässt sich nicht einmal annähernd bestimmen, da hierzu jeglicher Anhalt fehlt. Be- zeichnungen wie'venerabilis' in den Urkunden beziehen sich mehr auf die Würde und man findet sie bereits in den ersten Jahren seines Archiepiskopats. Es würde auch gewagt sein, aus der Anrede in Gerberts Briefen: pater, o mi pater, ep. XXVII u. XXXIV Dau Chesne vom Jahre 983, den Schluss ziehen zu wollen, dass Willigis damals bereits sehr bejahrt gewesen sei, wenn er auch be- deutend älter als Gerbert sein mochte, der um 950 geboren wurde. Wenn man bedenkt, dass Willigis 36 Jahre(von 975— 1011) Erzbischof gewesen, dass er bis in die letzte Lebenszeit unausgesetzt eine unermüdliche Thätigkeit entwickelte, so dürfen wir wohl annehmen, dass er noch in dem rüstigsten Mannesalter stand, als er auf den erzbischöflichen Stuhl erhoben wurde, ähnlich wie Bruno, der Bruder Otto's I im Alter von 25 Jahren(er wurde 928 geboren) Erzbischof von Cöln wurde (Ruotger vita Brunonis c. 2 u. 11, Ranke Jahrb. I, 2, 21) und Gregor V ebenfalls noch als Jüng- ling sein Pontificat antrat. Es war damals eine Zeit, wo die Jugend bereits Thaten der Männer verrichtete, wo Otto II und Otto III schon als Knaben mit starker Hand die Zügel der Herrschaft führten. Auch wenn die Behauptung, dass Willegis vor seinem Kanzleramt Lehrer Otto's II ge- wesen sei, richtig wäre, so würde diess noch nichts beweisen, denn Bernward kommt z. B. 977 als Knabe auf die Schule zu Hildesheim, und zehn Jahre später erblicken wir ihn als Erzieher Otto's III.(Thangm. v. Bernw. 1 u. 2).
Als die Heimath des Willigis gilt allgemein Sachsen, obgleich man auch dafür keine gleich- zeitigen Quellen anführen kann. Doch spricht einerseits für diese Annahme, dass Willigis Kanonikus in Hildesheim gewesen war, andererseits das Epitaphium des Willigis, welches Serra- rius c. XVII uns aus einem alten Manuscripti) erhalten hat. Früher war dasselbe um den Thurm der von Willigis erbauten Stephanskirche zu Mainz geschrieben und ging zu Grunde, als die Kirche abbrannte, wurde aber durch Abschrift erhalten. In ihm heisst es am Anfang:
Saxoniae villae Stromingen filius ille,
Nomine Willgisus: Antistes tunc bene visus Moguntinensis: et amicus Omnipotentis.
Qui rexit plane regnum ssatis imperiale.
De Schönburgque datus nobis Saxonia natus. Strenuus et largus, humilis, instus fuit Argus. Stephanicum in monte templum facit hoc bene sponte.
¹) Die Handschrift nennt selbst das Epitaphium„rusticum,“ und unmittelbar nach dem Tode des Willigis ist es, wenigstens in dieser Form, gewiss nicht abgefasst. Vielleicht gehört es der Zeit der Heilig- sprechung des Willigis an. Auch Leibniz(annal. imp. III, 349) setzt es in spätere Zeit und fügt hinzu: positum(est), cum ossa loco moverentur, barbarorum, id est posteriorum temporum opus, seculi decimi quarti, opinor, aut decimi quinti quae apud Germanos longe infra decimi laudes fuere. 1*


