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Bewegung der Säfte der Pflanze nach mehr als zwei Richtungen und wenn ein Zurücktreten des Saftes aus den Blättern in den Stamm und aus den höheren Theilen des Stammes in die tieferen ſtattfindet, geſchieht dies auf verſchiedenen Wegen. Laſſen wir die jetzt gebräuch⸗ lichſte Annahme gelten, daß der aufſteigende Saftſtrom in dem Cambium der Gefäßbündel, der abſteigende in dem Parenchym der Rinde, der ſogenannten grünen Rindenſchicht zu ſuchen ſei, ſo wird auch der in das Blatt tretende Saft zunächſt durch das Cambium der Gefäßbündel des Blattſtieles und der Rippen ſeinen Weg nehmen und es entſteht jetzt die Frage: wird er zunächſt den unteren oder den oberen Schichten des Blattes ſich zuwenden? Daß beiden verſchiedene Funktionen zukommen, beweiſt ihre verſchiedene Struktur, beweiſt der Umſtand, daß wenn die obere Epidermis Spaltöffnungen beſitzt, wie bei Populus nigra und pyramidalis, die durch dieſelben aufgenommene Luft nicht direkt verwendet, ſondern durch beſondere, das dichte Palliſadengewebe durchſetzende Canäle den unteren Schichten zugeführt wird. Auch die ſtärkere Behaarung der Rippen auf der Unterſeite, wenn anders meine Vermuthung über die Thätigkeit der Haare richtig iſt, ſpricht dafür, daß zunächſt auf der Unterſeite des Blattes eine möglichſte Verdickung des Zellſaftes hervorgerufen und hierdurch der in das Blatt ein⸗ tretende Saft zunächſt dahin geleitet werden ſoll. Nachdem derſelbe dort Stoffe an die Luft abgegeben, reſpective von ihr aufgenommen hat, ſcheidet er unter dem Einfluß des Lichtes Chlorophyll aus und kehrt, dadurch wieder verdünnt, in den Zweig zurück. Am wahrſchein⸗ lichſten iſt es, daß dieſe Rückkehr durch das farbloſe Parenchym ſtattfindet, welches den oberen Theil der Rippen des Blattes bildet und theils zwiſchen, theils über den Gefäßbündeln liegt. Wenigſtens iſt dieſes Parenchym das einzige gleichartige Gewebe, welches zuſammenhängend über das ganze Blatt verbreitet iſt. Daß das Chlorophyll der Blätter kein aufgeſpeicherter Nahrungsſtoff, ſondern ein Sekret iſt, dafür ſpricht, daß der größte Theil desſelben beim Ab⸗ fallen der Blätter unbenutzt verloren geht.
Die Leitung des Saftes in ihrem Cambiumtheil iſt nicht der einzige Zweck, welchen die Gefäßbündel des Blattes erfüllen. Vielleicht eben ſo wichtig iſt, daß ſie dem Blatte den nöthigen Halt verleihen. Wenn es nicht beſſer wäre, von einem Vergleich mit dem thieriſchen Organismus überhaupt abzuſehen, würde man ſie richtiger mit den Knochen als mit den Adern desſelben zuſammenſtellen. Der Ausdruck„Gerippe des Blattes“ iſt damit gerechtfertigt, wie man ja wohl auch das Holz das Skelett des Baumes genannt hat.
Stellen wir uns zum Schluß die Frage, ob eine Abhängigkeit der Geſtalt des Blattes von ſeinem Bau, von der Art und Weiſe ſeines Entſtehens oder von dem Zwecke, welchen es im pflanzlichen Organismus erfüllt, nachzuweiſen iſt, ſo müſſen wir dieſe Frage in allen drei Richtungen verneinen. Es beſteht bei den Blättern unſerer Laubbäume, was ihren Bau und ihre Funktion betrifft, eine große Uebereinſtimmung und wir vermögen nicht einzuſehen, warum z. B. die Geſtalten der Blätter der Ciche und Birke verſchieden ſind. Wenn Beziehungen zwiſchen der Größe des Blattes und dem Bau der Spaltöffnungen, ſeiner Dicke und der Geſtalt der Epidermiszellen, ſeiner Geſtalt und der Vertheilung der Gefäßbündel beſtehen, ſo berechtigen uns dieſelben immer nur zu dem Schluſſe, daß den Elementarorganen eine ſolche Bildungs⸗ fähigkeit innewohnt, daß ſie ſich allen Geſtalten der Pflanzen und den Funktionen ihrer Organe anzupaſſen vermögen. Die Geſtalt des Blattes erſcheint demnach als etwas Abſolutes, als eine jeder Pflanze zugetheilte eigenthümliche Eigenſchaft, deren Nothwendigkeit zu begreifen uns wohl immer verſagt bleiben wird.—
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