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der Lücken in dem Gerippe des Blattes ſcheint eine Grenze zu beſtehen, welche nicht über⸗ ſchritten wird, ſo daß die übermäßige Größe einer Lücke Veranlaſſung zur Entſtehung neuer Gefäßbündel und Rippen wird.
Daß die Blätter vorzugsweiſe Athmungsorgane ſind, dürfte wohl ein für allemal feſt⸗ ſtehen. Die in den Intercellularräumen des lockeren Blattparenchyms enthaltene Luft ſteht durch die Spaltöffnungen mit der äußeren Luft in Verbindung. Durch das Anſchwellen der zwei die Spaltöffnungen bildenden Schließzellen wird letztere geöffnet, durch das Schlaffwerden geſchloſſen; ſie wird alſo bei feuchter Luft offen ſtehen, bei trockener ſich ſchließen. Bei der horizontalen Stellung der Blätter unſerer Laubbäume würden die Spaltöffnungen durch Staub und athmoſphäriſche Niederſchläge bald verſtopft ſein. So erklären wir uns, warum ſie auf der Oberſeite fehlen. Nur Populus nigra und pyramidalis haben Spaltöffnungen auf der Oberſeite; in der That ſtehen aber auch bei ihnen die Blätter faſt ſenkrecht. Ich habe oben dieſe Lage aus der Geſtalt des Blattſtieles zu erklären verſucht und wir ſehen ſo einen merk⸗ würdigen Zuſammenhang zwiſchen dem Bau des Blattſtieles und dem der Epidermis. Während die Cuticularſchichten der Epidermiszellen den Inhalt derſelben vor Verdunſtung ſchützen, findet innerhalb des Blattes durch die dünnen Wände des lockeren Zellgewebes ein Austauſch zwiſchen den Beſtandtheilen der Luft und denen des Zellſaftes ſtatt. Letzterer nimmt Kohlenſäure auf und gibt Sauerſtoff ab. Waſſer wird durch die Blätter ebenſowohl aufgenommen als abgegeben; in der Regel findet jedoch nur das letztere ſtatt und die dadurch bewirkte Verdickung des Zell⸗ ſaftes bedingt das Eindringen des aufſteigenden Saftes aus dem Stamme in die Blätter. Es ſcheint mir, als ob die Haare in vielen Fällen die Funktion der Spaltöffnungen, reſpektive des unter denſelben liegenden lockeren Zellgewebes übernehmen könnten. So finden wir gewöhnlich die jüngſten Blätter vor Ausbildung der Spaltöffnungen mit ſehr dünnwandigen langen Haaren bedeckt, welche ſpäter reſorbirt werden. Die Verdunſtung durch die Wände derſelben würde alſo die zur Bildung des jungen Blattes nothwendige ſtarke Saftzuſtrömung hervorrufen, bis ſpäter den Spaltöffnungen dieſe Thätigkeit zufällt. Auf der Unterſeite der Blätter treten, wie wir oben geſehen, die Haare nur da auf, wo die Spaltöffnungen fehlen, nämlich über den Blattrippen. Bei Salix Caprea iſt die Behaarung der Unterſeite des Blattes ungewöhnlich ſtark und es hängt vielleicht damit zuſammen, daß zwar Spaltöffnungen in großer Zahl vor⸗ handen ſind, denſelben entſprechende Intercellularräume, ſogenannte Athmungshöhlen aber fehlen.
Schwieriger iſt die Frage zu beantworten, wie die Veränderung des in den Stamm aufgeſtiegenen und in die Blätter eingetretenen Saftes den Pflanzen zu gut kommt, mit andern Worten, ob auch ein rückkehrender Saftſtrom aus dem Blatt in den Stamm exiſtirt und welchen Weg derſelbe nimmt. Bei Pflanzen, welche ſich nur durch ihre Blätter ernähren, müſſen wir denſelben unbedingt annehmen; aber auch bei unſeren Waldbäumen iſt es undenkbar, daß die ganze Maſſe des Stammes ſich nur aus dem durch die Wurzel aufgenommenen kohlenſäurehaltigen Waſſer bildet. Ehe man über die Bewegung des Saftes in dem Stamme im Reinen iſt, iſt an eine ſichere Beantwortung dieſer Frage nicht zu denken. So viel dürfte bis jetzt feſtſtehen, daß das Aufſteigen des durch die Wurzel aufgenommenen Waſſers nur
durch Endesmoſe zu erklären iſt und daß nur die mit Saft erfüllten dünnwandigen Zellen die Leiter dieſer Bewegung ſein können, namentlich alſo in den Gefäßbündeln nur die Zellen der Cambiumſchicht(vasa propria), keineswegs die dickwandigen Holz⸗ und Baſtzellen und am wenigſten die nach ihrer Ausbildung immer mit Luft erfüllten Gefäße. Dagegen ſteht noch nichts feſt über die Exiſtenz eines abwärts gerichteten Saftſtromes. Wahrſcheinlich erfolgt die


