Aufsatz 
Die Blätter unserer Laubbäume
Entstehung
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Die Blätter unſerer Laubhäume.

Mi gutem Grund haben ſich die Botaniker unſerer Zeit vorzugsweiſe dem Studium der niederen Pflanzen zugewendet, deren einfacher Bau eher hoffen läßt, die dem Leben der Pflanze zu Grunde liegenden Geſetze zu erkennen. Eine Vernachläſſigung der Anatomie der höher organiſirten Gewächſe dürfte aber dadurch noch nicht gerechtfertigt ſein. Die wich⸗ tigſten Fragen über die Ernährung und das Wachsthum der vollkommeneren Pflanzen können nur dann mit einiger Ausſicht auf Erfolg in Betracht gezogen werden, wenn wir über den Bau aller Theile des Pflanzenkörpers, über Geſtalt und Größe ihrer Elementarorgane im Reinen ſind, was kaum bei einer Phanerogame der Fall ſein wird. Wenn der innere Bau nicht nur einiger, ſondern wo möglich aller Gewächſe erforſcht und die bei verwandten Pflanzen erhaltenen Reſultate zuſammengeſtellt werden, wird zweitens aus einer ſolchen Unterſuchung manches Merkmal zur Unterſcheidung ſchwieriger Arten gewonnen werden. Endlich wird aus derſelben auch die Morphologie den größten Nutzen ziehen, da nur die Bildung eines Organs uns mit Sicherheit auf die Funktion desſelben ſchließen und dadurch erkennen läßt, was in der äußeren Geſtalt desſelben weſentlich, was unweſentlich iſt. Vor Allem ſcheinen die Blätter geeignet, Geſtalten organiſcher Koͤrper auf einfache Geſetze zurückzuführen, da, ſoweit wir die Sache bis jetzt überſehen, ſowohl ihre Bedeutung für das Leben der Pflanzen leicht feſtzuſtellen iſt, als auch ihre Geſtalt bei dem Zurücktreten der einen Dimenſion gegen die beiden andern eher möglicherweiſe als die eines anderen Pflanzentheils durch einen mathematiſchen Ausdruck wiedergegeben werden kann.

Nachdem ich mir die Unterſuchung der Blätter unſerer Laubbäume nach allen dieſen Nichtungen zur Aufgabe gemacht, ſollen einige bis jetzt erlangte Reſultate hier zuſammengeſtellt werden, indem ich eine und die andere allgemeine Bemerkung, auf welche mich dieſe Unter⸗ ſuchungen geführt haben, an geeigneter Stelle einſchalte. Zunaͤchſt ſind es die kätzchentragenden Laubbäume und zwar aus den Familien der Cupuliferen, Betulineen, Salicineen und Urticeen folgende zwölf Species, deren Blätter ich genauer unterſucht und auf welche ſich das Geſagte vorzugsweiſe bezieht: Quercus pedunculata Ehrh., Fagus sylvatica L., Carpinus Betulus L., Corylus Avellana L., Alnus glutinosa Gärtn., Alnus incana D. C., Betula alba L., Po-

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