Aufsatz 
Elternhaus und Schule / von Wilhelm Karl Lex
Entstehung
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sondern rasch und unbesonnen wird das tadelnde Wort hinausgesprochen. Strenge Disciplin ist der Schule nöthig. Sie hat genau zu achten auf geordneten Schulbesuch, auf Pünktlich- keit im Anfang und beim Schluss der Lehrstunden, auf Anstand in der äusseren Haltung, auf Ruhe in den Klassen, auf Reinlichkeit in Büchern und Heften, auf Gewissenhaftigkeit in Ab- lieferung der aufgegebenen Arbeiten u. s. w. Dies ist keine Pedanterie; die Schule verfolgt vielmehr durch diese Manchem kleinlich scheinenden Mittel einen höheren Zweck und sollte darin von der häuslichen Erziehung mehr, als gewöhnlich geschieht, unterstützt, der Lehrer wenigstens nicht getadelt werden, wenn er strenge darauf hält. Wie häufig hört man aber von allzu nachsichtigen Eltern die Worte:Das sind Kleinigkeiten, die Nichts zu bedeuten haben; das Kind versteht das noch nicht und wird es schon von selbst ablegen, wenn es älter und verständiger geworden ist; so etwas muss man ihm nachsehen u. s. w. und doch wird durch solche Kleinigkeiten der Keim zu Gewohnheiten gelegt, die nur schwer oder gar nicht mehr auszurotten sind, wenn sie einmal feste Wurzeln getrieben haben. Sie reichen auch in ihrem Einflusse weiter, als es auf den ersten Blick scheint; denn mehrt nicht Acht- samkeit auf äussere Haltung neben dem äusseren Anstande selbst die geistige Thätigkeit? Wirken nicht unreinlich und schlecht geschriebene Hefte auch auf den Charakter? Tritt die Schule, die ja nicht blos unterrichtend, sondern auch erziehend sein soll, solchen Fehlern und namentlich der oben schon genannten Genusssucht, der im Familienleben oft zu wenig gesteuert wird, mit Ernst entgegen, so findet sie häufig nicht nur keine Unterstützung, son- dern sogar Tadel. Vielen scheinen ihre Gesetze zu streng. Sie glauben, es werde den armen Schülern zugemuthet, was sie nicht leisten, und untersagt, was sie ohne Nachtheil thun könn- ten. Selbst solche Eltern, welche sich vollkommen billigend über die Erziehungsgrundsätze der Schule aussprechen, finden sie dann zu hart, wenn sie bei ihren eigenen Kindern zur Anwendung kommen, und doch sollte man der Schule die schwere Aufgabe, Strenge und Liebe, welche die Natur in dem Familienleben zwischen dem ernsten Vater und der milden, sanften Mutter getheilt hat, in sich zu vereinen, absichtlich nicht noch schwerer machen. Sie muss vor Allem Gehorsam gegen das Gesetz fordern, ohne welchen nicht erzogen werden kann. Durch ihn soll der Schüler sich selbst beherrschen und Manches sich entsagen lernen, wozu die Lust des Augenblicks ihn antreibt. Durch unzeitiges Bedauern, durch unvernünf- tigen Tadel der Schule sollen daher Eltern den manchmal schon schweren Kampf des Kindes nicht noch mehr erschweren, im Gegentheil ihm die freiwillige Unterordnung unter das Ge- setz, was Grundlage aller Zucht und Ordnung ist, soviel wie möglich erleichtern. Die Schule darf durch ein Entgegenwirken der häuslichen Erziehung sich in ihren Grundsätzen nicht irren lassen; sie muss ihre Selbstständigkeit und ihr Ansehen, wodurch sie einigermassen den ihre Wirksamkeit hemmenden Einfluss der Familie verhindern und beseitigen kann, zu behaup- ten wissen und kann mit Recht verlangen, dass die Eltern in ihre Bestrebungen eingehen, dass sie ihre Zöglinge schon frühe zu nützlicher Thätigkeit anhalten, sie an gute Sitten ge-