allgemeiner, wenn auch bei der Mehrzahl mehr angeregt durch Gefährdung ihrer Exiſtenz, welche in der Concurrenz mit geiſtig Gebildeteren bedroht erſchien, als durch den Drang nach höherer, intellektueller Ausbildung.
Die nächſte Folge dieſes aus materiellem Intereſſe hervorgegangenen Treibens zeigte ſich in der verfehlten Richtung vieler neu entſtandenen Schulen, welche in der unmittelbaren Anwendbarkeit des Unterrichtsſtoffes auf die Zwecke des prakti⸗ ſchen Lebens das allein leitende Princip für den Jugend⸗Unterricht glaubten gefun⸗ den zu haben, aber gerade mit dieſer Hinweiſung auf das blos Nützliche den Forderungen des Zeitgeiſtes entgegenwirkten, welcher durch wiſſenſchaftliche Bildung das induſtri⸗ elle Leben zu einem mehr geiſtigen, idealeren zu erheben ſuchte. Ihr Unterrichten war mehr ein Abrichten und mußte zu einem alles Höhere und Edle ertoͤdtenden, groben Materialismus herabſinken.
So ſchnell auch die Erfahrung die Unhaltbarkeit eines ſolchen Erziehungs⸗ grundſatzes zeigte, ſo hatte doch der eingeſchlagene, verkehrte Weg dem Fortſchritte zum Beſſeren ſchon großen Nachtheil gebracht. Er hatte dem Volke, das die mei⸗ ſten dieſer Anſtalten freudig und hoffnungsvoll aufgenommen hatte und ſich in ſei⸗ nen Erwartungen getäuſcht ſah, das Vertrauen zu allen neuen Einrichtungen ent⸗ zogen. Es bemächtigte ſich ſeiner eine gewiſſe Scheu vor einer jeden Abweichung von dem beſtehenden Unterrichtsgange der bisherigen Schulen, um das gewiſſe Gute, was es in ihnen beſaß, nicht zu verlieren, ſo wenig ſie auch, ſelbſt in ihren höhe⸗ ren Abtheilungen, den ſogenannten Gelehrtenſchulen, geeignet waren, dem tüchtigen Handwerker und dem gebildeten Geſchäftsmanne, der kein Fakultätsſtudium erwählt hatte, die jetzt nöthige Vorbildung zu geben.— Die Volks⸗ und die Gelehrten⸗ Schule hatten ihre Einrichtung zu einer Zeit erhalten, in welcher Gewerbe und Induſtrie noch in der Kindheit lagen, und man nur den unter einem Gebildeten verſtehen konnte, welcher ſich einem durch die vier Fakultäten einer Univerſität vor⸗ gezeichneten Berufe gewidmet hatte. Die Gelehrtenſchule nahm daher in ihrer idealen, wiſſenſchaftlichen Richtung bei der Auswahl ihres Unterrichtsſtoffes zu we⸗ nig Rückſicht auf Realgegenſtände und die Forderungen des praktiſchen Lebens, und die Volksſchule konnte die Kenntniſſe und Geiſtesgewandtheit nicht geben, die heut zu Tage von dem Gewerbſtande gefordert werden.
Die Unzulänglichkeit der beſtehenden Unterrichtsanſtalten lag vor Augen; aber die Idee der hier fehlenden Schulen hatte ſich noch nicht zur Klarheit durchgebildet, erwartete erſt von unſerer Zeit ihre Entwickelung.
Die Erweiterung und Vermehrung der Realfächer, die man hin und wieder bei den Gelehrtenſchulen eiutreten ließ, war nur eine halbe Maßregel, die ihren Zweck gänzlich verfehlte. Sie griff ſtörend in den ganzen Lehrplan der Gymnaſien ein und konnte dabei doch dem Theil ihrer Zöglinge, welcher ſich nicht den akade⸗ miſchen Studien widmete, das nicht gewähren, was er ſuchte. Es zeigte ſich im⸗ mer deutlicher, daß hier noch eine Lücke in unſerem öffentlichen Schulweſen ſich finde, ein nothwendiges Glied in ſeinem Organismus fehle.


