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hältnisse des einzelnen, aus dem Zusammenhang herausgerissenen Wortes in seinen verschiedenen Casus u. s. W. mit dem Verstande aufzufassen, wird ein Abstraktionsvermögen vorausgesetzt, das sich in diesem Alter noch nicht ſindet, und ein soleher Unterricht artet daher gewöhnlich in bloses Gedächt- nisswerk und todten Mechanismus aus. Herder sagt darüber in seinem schon 1769 geschriebenen Ideale einer Schule:»Man lobt das Runststück, eine Grammatik als Grammatik, als Logik und Charakteristik des menschlichen Geistes zu lernen: schön! Sie ist's, und die lateinische, so sehr ausgebil- dete Grammatik ist dazu die Beste. Aber für Rinder? Die Frage wird stupid. Welcher Quintaner kann ein Runststück von casibus, Deklinatio- nen, Conjugationen und Syntax philosophisch überschen? Er sicht nichts, als das todte Gebäude, das ihm Qual macht, ohne materiellen Nutzen zu ha- ben, ohne eine Sprache zu lernen. Weg also das Latein, um an ihm Gram- mnatik zu lernen; hierzu ist keine andere in der Welt, als unsere Mutter- sprachel«
Der Unterricht in dieser muss mit der Erklärung der Wortverhältnissa im Zusammenhange des Satzes beginnen. Der Schüler beſindet sich auf ei- neim schon bekannten Felde und kann sich bei der Erläuterung der verschie- denen Beziehungen, in welchen die einzelnen Satztheile zu einander stehen, Etwas denken. Das, was Andere an dem Unterrichte in der Muttersprache tadlen, dass sie zusehr von der Form abziche, möchte sie gerade empfehlen. Sie hebt nämlich bei der Form die Bedeutung derselben schärfer hervor, bildet dadurch das Denken und befördert wahre Sprachbildung in höherem Grade, als es bei dem Lehrgange in einer fremden Sprache sein kann. Die Ausbildung des Denkvermögens aber erleichtert die Erlernung jeder Sprache,
weil das ganze Sprachgebäude nur die sinnliche Darstellung unserer Denk-
gesetze selbst ist. Auch bestätigt die Erfahrung, dass jeder in reifern Jah- ren eine in der Jugend erlernte Sprache besser versteht. Manche früher eingeübte Form und Regel ist zwar seinem Gedächtniss halb entschwunden, er hat aber unterdessen besser denken gelernt.
Die Schemata der Deklinationen, Conjugationen u. s. w. wird der Sehü- ler erst dann in vollständiger Zusammenstellung zu lernen haben, wenn er


