Aufsatz 
Welche Stelle ist dem Unterrichte in der Muttersprache auf den deutschen Gymnasien einzuräumen? / von Wilhelm Karl Lex
Entstehung
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in kleinen Schattirungen liege, die in den einzelnen Wörtern nicht bemerk- bar sind und nur durch die Auswalll und Zusammenstellung vieler ähnlichen einen auffallenden Eindruck machen; es fand sich, dass ehen dasjenige Talent, welches die Ideen einer gewissen besondern Gattung hervorbringt, zugleich das Talent sei, die Wörter und Wendungen in der Sprache aufzuſinden, welche der Natur dieser Ideen entsprechen.«

Unverkennbar haben sich in unserer Zeit zur Ausbildung der Sprache mehr günstige Umstände miteinander vereinigt, als es in dem Alterthum der Fall war, weil wir nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht höher stehen, als jenes, sondern auch die Erfindung der Buchdruekerkunst das auf die ganze Nation ausgedehnt hat, was bei den Alten für Rede und Sehrift den Dichtern, Rednern, Philosophen u. s. w. nur im engern Kreise durch das le- bendige oder mühsam geschriebene Wort zu wirken möglich war.

Nach dem eben Gesagten dürfen wir wohl mit Recht behaupten: Unsere Sprache ist eine der reichsten auf der Erde, ist genau und bestimmt im ein- zelnen Ausdruck, wie in der Verbindung, schön für jede Art der stylisti- schen Darstellung und überhaupt eine der vollkommensten nach allen Rich- tungen hin*). Wenn aber diese Hauptelemente zur formalen Bildung in ihr liegen, so muss sie auch als Uechungsstoff dazu gebraueht werden können.

Ich würde die Grenzen eines Programmes überschreitenWenn ich jelet die bei dem Unterricht in der Muttersprache für die verschiedenen Rlassen ei- nes Gymnasiums zu beobachtende Methode und den einzuschlagenden Lehrgang bis in das Einzelne hier verfolgen wollte. Die wenigen Andeutungen sollen daher nur im Allgemeinen den einzuhaltenden Weg bezeichnen; gegebene Verhältnisse müssen die Anwendung auf den vorkommenden Fall bestimmen.

Dass der Unterriehtsgang für die Muttersprache ein ganz anderer sein müsse, als bei einer fremden, ist oben schon angedeutet worden. Die Re- sultate dieses Unterrichts sind häuſig aur desswegen so unbedeutend ausge-

*) Die deutsche Sprache ist die herrlichste unter den curopäischen, ursprünglich, unermess-

lich reich an Worten, mithin an Begriffen, wohlklingend, volltönend, kraftvoll, Tuba and Harfe zugleich. J. G. Müller über Stud. d. Wiss.