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schenwürde wiederſinden. Die Dildung zu einem Stande hat bei ihnen eher angefangen, als die Bildung zum Menschen. 4
Erst in neuester Zeit suchte man die Rluft zwischen beiden Unterrichts- weisen auszugleichen und ihre Zwecke zu vereinigen. Auch kann man nur dadurch allein zu einem erwünschten Ziele gelangen. Jene allgemeine Bil- dung darf nämlich nur durch solche Lehrgegenstände erstrebt werden, die zugleich in dem praktischen Leben ihre Anwendung finden, und alle jene nützliche Renntnisse müssen einen höheren Zweck haben, als das blosse Fortkommen in der Welt, oder grösstmöglichsten Genuss sinnlichen Wohl- behagens.. 1
Da man durch die Verschmelzung beider Methoden die schon ohnehin grosse Masse des vorhandenen Lehrstoffes für unsere Unterrichtsanstalten noch vermehrt hat und dadurch bei der beschränkten Schulzeit leicht Ge- fahr läuft, ohne umsichtige Auswahl entweder in Allem bloss auf der Ober- fläche zu bleiben und seichte Sehwätzer ohne Gründlichkeit und Tiefe zu bilden, oder durch die zu sehr gesteigerte Anstrengung und durch Ueber- ladung mit Stunden die Schüler an Geist und Rörper zu erschlaffen; so entsteht zuerst die Frage, welche aus den vielen Lehrgegenständen sollen in unsere Bildungsanstalten als Lehrstoff anfgenommen, und dann, wie soll dieser behandelt, und welche Zeit soll darauf verwendet werden, um den doppelten Zweck zu erreichen.
Ehe ich versuche zur Beantwortung dieser Fragen in dem Folgenden einen kleinen Beitrag zu liefern, erlaube ich mir, vorher einige wenige Be- merkungen über unsere Schulen im Allgemeinen vorauszuschicken.
Da die erste Bildung des Menschen nofluwendig eine allgemeine sein muss, weil nur diese seiner höheren Natur entspricht und ihn zugleich fä- big macht, die besondern Berufskenntnisse sich leicht und schnell zu er- werben, so müssen unsere Lehranstalten für das Rnaben- und heranreifende
Jünglingsalter sie fast ausschliesslich berücksichtigen und den folgenden Jah-
ren die eigentliche Fachbildung überlassen. Unsere Schulen möchten daher
nicht unzweckmässig in General- und Spezialschulen getheilt werden, von welchen jene, die ebenerwähnte allgemeine Dildung, diese die Ausbildung 1*


