Aufsatz 
Welche Stelle ist dem Unterrichte in der Muttersprache auf den deutschen Gymnasien einzuräumen? / von Wilhelm Karl Lex
Entstehung
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Sermone co debemus uti, qui natus est nobis. Cic. de off. 1, 31.

Da der Rreis des menschlichen Wissens sich mit jedem Tage erweitert, und allein die Masse der Renntnisse nach einem falsch verstandenen Grund- satze von Vielen zum Massstabe der Bildung angelegt wird; so sind die Anforderungen, welche man in neuerer Zeit an den Gebildeten macht, so gesteigert worden, dass, um ihnen zu genügen, ein Menschenleben nicht mehr hinzureichen scheint. Die Wissenschaft als Ganzes zu erfassen, ist selbst im blossen Ueberblick kaum mehr möglich, und doch sehen wir bei dem tiefern Erforschen eines jeden einzelnen Zweiges derselben immer mehr dessen innigen Zusammenhang mit allen übrigen und ſinden uns dadurch genöthigt, die anfangs beschränkt gezogenen Grenzen unseres Studiums zu erweitern und in Wissenschaften überzugreifen, die bei dem ersten Aublick gar nicht damit verwandt zu sein schienen. Der Ausspruch des Sokrates: Ich weiss nur, dass ich nichts weiss« drängt sich uns dabei, wenn auch in etwas anderer Bedeutung, als dieser griechische Weise ihn nahm, fast

unahweislich auf. Die Menge des Wissenswürdigen und der zur Bildung verlangten

Nenntnisse konnte und durfte nicht ohne Rückwirkung auf unsere Schulen sein. Sie musste den denkenden Lehrer zu der Untersuchung auffordern⸗ Wie muss der Rnabe und Jüngling vorbereitet werden, um den Anforde- rungen zu entsprechen, die man dereinst an ihn als Menschen und Staats- bürger machen wird?

Zwei verschiedene Wege wurden dabei eingeschlagen, Humanismus und Realismus. In schroffem Gegensatze führten sie auf beiden Seiten za Extremen.

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