Aufsatz 
Die Pflichtforderung pädagogischer Allseitigkeit konzentriert sich im Religionsunterrichte
Entstehung
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mäßen Grund⸗Modus, die drei Grund⸗Phaſen, die drei Formen oder Weiſen des in ſich ein⸗ heitlichen Seelenlebens; um ſie kurz zu bezeichnen folgende: 1) Die paſſive Grundform des Erregt⸗ ſeins, der Affection, der wechſelnden Zuſtändlichkeit und des unmittelbaren Innewerdens derſelben unter den beiden Haupteindrücken des Angenehmen und des Unangenehmen. 2) Die theoretiſch⸗ aktive des Rückſpiegelns, des Reflectirens im Bewußtſeinsſpiegel, des Bereitens einer zweiten, abbildlichen Exiſtenz von Allem im wunderbaren Seelenſpiegel auf dem Stufengange des An⸗ ſchauens, des Vorſtellens, des Einbildens und des Feſthaltens, endlich des Verarbeitens dieſer Errungenſchaften in dem weiteren Stufengange des eigentlichen Denk⸗ und Erkenntniß⸗Prozeſſes, nämlich des Begreifens(Analyſirens, Abſtrahirens und Kombinirens), Urtheilens und Schließens unter Aufwendung einer beſonderen Selbſtanſpannung, genannt Aufmerkſamkeit. Die begreifend, urtheilend und ſchließend Verſtändniß gewinnende Seele hat man insbeſondere den Verſtand genannt. 3) Die aus den beiden vorigen als ihren Factoren reſultirende, nämlich die praktiſch⸗ aktive Grundform des Wollens, des Strebens nach Einwirkung auf das Daſein und auf das Ich in poſitiver oder negativer Weiſe des Begehrens oder Verabſcheuens, resp. des daraus fol⸗ genden abſichtlichen Thuns oder Laſſens.

Gefühl, Verſtand(im weiteſten Sinne des Wortes) und Wille ſind und bleiben demnach ein für allemal die Grundmodus des Seelenlebens, die ſ. g. Grundkräfte der Seele; wo ſie ſich kundgeben, da iſt Seelenleben.

Mögen ſich nun weiter bei eingehender fortgeſetzter Forſchung die Sonderanſichten der Pſychologen über jene drei Grunderweiſungen des menſchlichen Seelenlebens und deren Modifi⸗ cationen noch ſo verſchieden geſtalten; immer und immer wieder ſieht man ſich dazu genöthigt, im Menſchen ſogenannte höhere Seelenkräfte von den niederen zu unterſcheiden, alſo im Men⸗ ſchen gewiſſe charakteriſtiſche, edlere und normative Lebenskeime und Anlagen anzuerkennen, durch welche die Menſchenſeele aus thieriſcher unlebendiger Stumpfheit und Neutralität, aus leiblicher Gebundenheit, aus der Unfreiheit und Imperfektibilität herausgehoben, dagegen mit poſitiven, höheren, den Naturtrieben weit übergeordneten Trieben erfüllt und alſo vor ideale Ziele der Entfaltung hingeſtellt iſt, deren Erſtrebung ihr ſelbſt als grundeigenthümlich, als heilig, als nothwendig, als Pflicht erſcheint. Die Geſchichte der Philoſophie beweiſet meine Ausſage. Da ſprechen die bedeutendſten Philoſophen ſeit Sokrates bis Kant und weiter von dem ſ. g. höheren Gefühlsvermögen, demzufolge der Menſch das beſeeligende Wohlgefallen am Schönen in ſich zur Herrſchaft zu bringen den Trieb hat, von dem höheren Erkenntnißvermögen(Vernunft), demzufolge der Menſch den nie zu ſtillenden Trieb hat, der Wahrheit voll und ganz theilhaftig zu werden, und von dem höheren Beſtrebungs⸗ vermögen, demzufolge der Menſch den heiligen Gewiſſens⸗Trieb hat, ſtets ſittlich⸗freier, beſſer und tugendhafter zu werden.(Praktiſche Vernunft.)

Ueber dieſe hohen, unſerm Selbſtbewußtſein ſo ſchwer beikommenden und für den menſch⸗ lichen Sprachausdruck ſo ſchwierigen Eigenthümlichkeiten der Menſchennatur geben die anthro⸗ pologiſchen Enthüllungen in den Urkunden des alt⸗ und neuteſtamentlichen Kanon die einfachſte, gründlichſte und durchſchlagendſte Aufklärung. Die Bibel redet beſtimmt und klar von der

dem Menſchen anerſchaffenen gottebenbildlichen geiſtigen Natur, von dem menſchlichen Geiſte, 1*