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Am 30. October feierte die Anſtalt das Uſinger Kirchweihfeſt durch einen Abend heiteren Zuſammenſeins der Zöglinge und Lehrer im Speiſeſaale des Internates.
Am 10. November bethätigte die Anſtalt ihre Theilnahme am hundertjährigen Geburts⸗ feſte Schillers durch ein öffentlich im großen Saale gehaltenes Concert mit geeigneten Dekla⸗ mationen unter einem ſehr zahlreichen Beſuche.
Den Sonntag des 1. Advents feierte die Anſtalt gemeinſam in der Kirche mit dem Ge⸗ nuſſe des heiligen Abendmahls.
Am 21. December wurde unter Leitung des Herrn Muſiklehrers Feye von den Zöglin⸗ gen der Anſtalt ein weiteres Abendconcert mit Deklamationsvorträgen gehalten, aus deſſen Er⸗ trägniſſen eine Weihnachtsbeſcheerung für arme brave Kinder der hieſigen Elementarſchule beſtritten wurde.
Am 22. December wurde die erſte Hälfte des Winterſemeſters, resp. das Herbſttrimeſter, mit einer feierlichen Cenſur abgeſchloſſen, worauf die Zöglinge bis zum 4. Januar 1860 in die Weihnachtsferien entlaſſen wurden.
Am 19. Januar wurde durch den hochwürdigſten Herrn Landesbiſchof Dr. Theol. Wil⸗ helmi eine feierliche Inſpection des ſittlichen Zuſtandes des Seminars und eine Prüfung des Religionsunterrichtes vorgenommen, deren ſalbungsreiche Eindrücke gewiß nicht ohne Segen blei⸗ ben werden.
Die heil. Paſſionszeit wurde, wie alljährlich, nach Schluß der Schulſtunden täglich durch beſondere Paſſionserbauungen gebührend ausgezeichnet.
An bedürftige würdige Zöglinge aus den verſchiedenen Klaſſen wurde wiederum eine huld⸗ reich von hoher Landesregierung gewährte Summe von 648 fl. vertheilt.
III. Statiſtik.
Die Geſammtzahl unſerer Zöglinge betrug im Sommerſemeſter 50, im Winterſemeſter 49, wovon 13 der Kl. I, 20 der Kl. II, 16 der Kl. III angehören. Ein aus dem vorigen Schul⸗ jahre in Kl. I noch Zurückgehaltener wurde nach der Herbſtprüfung als Schulamtscandidat ent⸗ laſſen, nachdem deren 19 im Frühlinge waren entlaſſen worden.
Für die hochgeneigteſt durch Herzogliche Landesregierung verwilligte Summe von 450 fl. wurde durch Herrn Orgelbauer Voigt von Igſtadt eine kleinere Uebungsorgel, welche als in jeder Hinſicht wohl gelungen bezeichnet werden muß, im Lehrzimmer der Kl. III. aufgeſtellt.
Durch Verwendung der hochgeneigteſt wiederum verwilligten Summe von 125 fl. wurde die Seminarbibliothek angemeſſen vermehrt.
Deßgleichen erfuhren die naturkundlichen Sammlungen erhebliche Vervollſtändigungen, von denen insbeſondere erwähnt zu werden verdienen: Ein Hohlſpiegel von Meſſing, das Auguſt'ſche Pſychrometer, ein Sonnenmikroſkop als Einſatz in das Helioſtat, ein galvanopla— ſtiſcher Apparat, eine Sammlung von Schwamm-Modellen, eine Kryptagamenſammlung und mehrere ausgebalgte Vögel.— Ein nicht geringes Verdienſt um das naturkundliche Cabinet der Anſtalt erwarb ſich Herr Reallehrer Becker durch Herſtellung der leider unbrauchbar er⸗ fundenen Glasſcheibe unſerer vorzüglichen Elektriſirmaſchine, ſowie durch Herſtellung des ſehr verkommen und defect geweſenen Menſchenſkeletts.
Durch Anſchaffung zweier Reliefkarten, einer von Deutſchland und einer von der Schweiz, wurde der geographiſche Apparat nutzbar vermehrt.
Durch die mittelſt der gnädigen Fürſorge Sr. Hoheit des Herzogs ermöglichte Auslogi⸗ rung des naturhiſtoriſchen Muſeums des Herrn Grandpierre wurden die Räumlichkeiten fuͤr das naturkundliche Cabinet des Seminars und für die muſikaliſchen Uebungen der Seminariſten nach Bedürfniß erweitert.
Als Geſchenke empfing die Seminarbibliothek: 1) Von Herrn Seminarlehrer Feye deſſen„Lieder für Sopran⸗ und Alto⸗Stimmen zum Gebrauche in Schulen“, opus. 30. 2) Von Herrn Lehrer Prätorius deſſen„Grundzüge der Kirchengeſchichte“. 3) Vom hochverehrlichen naturhiſtoriſchen Verein für das Herzogthum deſſen„Jahrbücher“. 13tes Heft. 1858. Den Gebern wird hiermit der gebührende Dank öffentlich ausgeſprochen.
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