ſich wie früͤher das Internat, für deſſen wohnliche Einrichtung die Herzogliche Landesregierung auch in dieſem Johre thätig und freigebig gewirkt. Bei aller Sorgfalt der Lehrer kann übrigens eine muſterhafte Zucht nicht erreicht werden, wenn nicht auch die Bewohner der Stadt in wahr⸗ haft chriſtlichem Sinne mitwirken. So ſehr ich nun eine thätige Unterſtützung in dieſer Hinſicht von vielen Seiten her rühmlichſt und mit Freuden erwähne, ſo drängt es mich doch hier zu wiederholen, was ich beim Antritte meines hieſigen Amtes geſagt habe:„Verehrteſte Mitbürger! Unſere Anſtalt iſt in Ihrer Stadt, unſere Zöglinge wandeln unter Ihnen, ja ſie wohnen zum Theil unter Ihnen. Welche Gelegenheiten ſind Ihnen da geboten, wahre Schutzengel dieſer Jüͤnglinge zu werden und und ſo den Himmel an ihnen zu verdienen, aber auch durch Teufels⸗ dienſte die Hölle zu erwerben! Wort und That, Beiſpiel und Lehre können außerhalb der Schule in kurzer Zeit, oft in wenigen Stunden die Grundlage zerſtören, womit wir Lehrer oft lange Zeit uns beſchäftigt haben.“
4. Phyſiſches Wohl.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im Ganzen befriedigend, wozu Turnübungen, Spaziergänge, Baden und Arbeiten im Seminargarten weſentlich beitregen. Nur ein recht hoff⸗ nungsvoller Schüler der III. Klaſſe, Johann Conradi von Wirges, lag fünf volle Wochen hier im Internat an ſchwerer Krankheit darnieder, bis ihn der Allmächtige am 6. Januar zu ſich in ein beſſeres Jenſeits abrief, nachdem er vorher die heiligen Sterbſacramente empfangen und ſich mit kindlichem Vertrauen ſeinem Heiland empfohlen katte. Lehrer und Schüler be⸗ gleiteten den Verſtorbenen feierlich zu Grabe, wo Herr Religionslehrer Müller ihm noch einen verdienten Nachruf widmete und tief ergriffen und ergreifend zu den übrigen Zöglingen ſprach. Friede der Aſche des Geſchiedenen! 4 Der Geſundheitszuſtand der Lehrer war im Ganzen gut. Die wenigen Stunden die der eine und der andere Lehrer wegen Unwohlſeins ausſetzen mußte, wurden in kollegialiſchem Zu⸗ ſammenwirken bereitwillig von den anderen Lehrer der Anſtalt gegeben.
II. Chronik.
Die Concursprüfung zur Aufnahme katholiſcher Schulaſpiranten wurde am 7. und 8. März abgehalten. Gemeldet hatten ſich 15 Aſpiranten, davon wurden 3 als zu jung zurückgewieſen, 11 wurden für die III und einer für die II. Klaſſe fähig befunden und auf Antrag des Lehrer⸗ kollegiums durch Herzogliche Landesregierung aufgenommen. Das Schuljahr wurde am 24. April eröffnet. Um 7 Uhr war Gottesdienſt, welchem alle Lehrer und Schüler beiwohnten; um 9 Uhr war Eröffnung im Schulſaal mit Choralgeſang, Gebet, Mittheilung der Schulgeſetze und kurze Anſprache des Direktors an Schüler und Lehrer. Der Unterricht begann am 25. April. Die Pfingſtferien dauerten vom 26. bis 30. Mat, die Herbſtferien vom 14. September bis 15. October, die Weihnachtsferien vom 22. December bis 2. Januar. Das Winterhalbjahr wurde auf dieſelbe Weiſe eröffnet wie das Sommerhalbjahr. Da am CEröffnungstage ein See⸗ lenamt für den verſtorbenen Seminarlehrer Meiſter gehalten werden ſollte, ſo glaubte das Lehrerkollegium eine Pflicht der Pietät erfüllen zu müſſen: der Herr Religionslehrer hielt das Amt und alle Lehrer und Schüler wohnten demſelben bei.
III. Statiſtik. 1. Von den Schülern der lII. Klaſſe des vorigen Jahres kamen zwei, deren Ausweiſung aus der Anſtalt bereits in den Ferien höheren Orts entſchieden war, mit Beginn des neuen 1 4-


