— 69—
trachten Sie die berrlichen Vorbilder, welche hier von Paulus an bis auf unſern eben heimgegangen Neander, den jüngſten der Kirchenväter, Ihnen vorleuchten. Beleben und ſtärken Sie an fortgeſetztem Eindringen in die Tiefen des göttlichen Wortes die unwandelbare Zuverſicht auf die Göttlichkeit des Werkes, dem Sie Sich widmen und auf den gewiſſen Sieg aller treuen Arbeit im Reiche Gottes. Deſto freier und unbe— fangener werden Sie auf dem Gebiete der practiſchen Theologie Sich bewegen und deſto eifriger nach der Tüchtigkeit zu denjenigen Leiſtungen ringen, in denen die menſch⸗ liche mit der göttlichen Thäͤtigkeit zur Pflege des Reichs Gottes ſich vereinigen muß, deſto vertrauensvoller werden Sie aber auch, wenn der Ruf des Herrn an Sie er⸗ geht, die Hand an den Pflug legen, ohne zurückzuſehen.
Iſt bei Ihnen Hingebung an Chriſtum, in der Sie von Grund Ihres Herzens ſeiner Sache Sich widmen, vereinigen Sie damit die Rüſtung der Liebe, die Sie in feinem Geiſte, den Muth der Beſonnenheit, der Sie mit beharrlicher Ausdauer, die Kraft der Entſchiedenheit, die Sie vor allem Andern, und die Freudigkeit des Gott⸗ vertrauens, die Sie mit heiterer Sorgenloſigkeit ſeinem Dienſte Sich hingeben läßt; dann ſeien Sie uns willkommen geheißen zu dem ernſten und anſtrengenden, aber auch ſchönen und erhebenden Gange, auf welchem wir Sie in das Heiligthum der Pflege des Reichs Gottes einführen wollen. Was uns durch Gottes Gnade an Einſicht und Erfahrung darin zu Gebote ſteht, das wollen wir Ihnen bieten. Wir bieten es Ih⸗ nen als die bis hierher auf dem Gebiete der practiſchen Theologie gereifte Frucht, als das Beſte, was wir haben. Wir bieten es Ihnen zunächſt zwar für den Zweck Ih⸗ rer Bildung zu einer tüchtigen Führung des geiſtlichen Amtes, aber auch zugleich als Samenkörner, welche ein älteres dem füngeren Geſchlechte überliefert, damit ſie unter der pflegenden Hand der fortſchreitenden Bildung in chriſtlicher Wiſſenſchaft und chriſt⸗ lichem Leben zu neuen und ſchöneren Blüthen und Früchten ſich entwickeln. Nehmen Sie es unter dieſem zwiefachen Geſichtspunkte auf. Deſto ſicherer werden Sie den Zweck unſerer Anſtalt zu Ibrem eignen und zum Woble der Kirche an Sich erreichen.
Das Jahr, für welches Sie heute in unſer Seminar treten, wie ſchnell wird es zu Ende eilen und wie kurz Ihnen der Raum desſelben dünken, wenn wir die Stunde der Entlaſſung feiern! Machen Sie das kurze zu einem reichen und das ſchnell ver⸗ ſchwindende zu einem inhaltvollen, das mit tiefgreifendem und bleibendem Segen in


