wickelung ſeines Sinnes bis zu dem chriſtlichen Grundſatze, alle Menſchen als Brüder um Gott und ſeines Sohnes willen und noch mehr zu lieben, als ſich ſelbſt, nämlich bis in den Tod, gänzlich abgeſchnitten. Dieſe frevelvolle Willkühr, dieſes Hinderniß des Reiches Gottes mußte gebrochen, der weſentlichſte Schwer⸗ und Angelpunkt für die Geſtaltung einer ſeeligen Regeneration des geſammten Menſchengeſchlechtes mußte mit aller Ener⸗ gie in das Auge gerückt werden; um deßwihen Chriſtus fortfährt:„Ich aber ſage euch: Liebet eure Feinde, ſegnet, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch haſſen, bittet für die, ſo euch beleidigen und verfolgen; auf daß ihr Kinder ſeid eures Vaters im Himmel. Denn er läßt ſeine Sonne aufgehen über die Böſen und über die Guten, und läſſet regnen über Gerechte und Ungerechte." Die Liebe hat kein Maß, ſie iſt unbegrenztes Gottes⸗ feuer im gläubigen Menſchenherzen. Darum ſchaffet euch die Liebe in ein reines Herz, dann werdet ihr um Gottes willen verzeihen und vergeben und ſelbſt euern Haſſern durch edelmüthige Liebe den Haß, den Keim des Todes, benehmen. Auch wann das euch nicht gelingen ſollte, ſo traget ihr doch jeden Falles den größten Gewinn davon, ihr ahmet euern gnädigen Vater im Himmel nach, erfüllet deſſen heiligen Willen und werdet deſſen liebe Kinder. Dieſe Chriſtenliebe, wie ſie vorzugsweiſe im heiligen Abend⸗ mahle Erweckung und Nährung finden ſoll, iſt recht eigentlich das Verklärungselement der Menſchheit, darin dieſe durch den Sohn zum Vater zurückkehren ſoll. Die ſoge⸗ nannte natürliche Liebe, die Alltagsliebe, die nur liebt, um wieder geliebt zu werden, oder liebt aus beſonderer Veranlaſſung, wo etwa zuerſt geliebt worden war, iſt am Lichte betrachtet nur eine eitle, ſelbſtiſche Eigenliebe, der nicht der geringſte Ruhm ge⸗ bührt; ſie ſchlägt unter Umſtänden in unheiliges, gottloſes Weſen und krokodilliſche Ceremonie um.„Denn ſo ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Thunnicht dasſelbe auch die Zöllner? Und ſo ihr euch nur zu euern Brüdern freundlich thut, was thut ihr Sonderliches? Thun nicht die Zöllner auch alſo?, In dieſer nicht durch den Glauben geheiligten, blos natürlichen Liebe ſpielt nur zu ſehr der alte, fleiſcherne Menſch die Rolle, bleiben alle heiligen Verhältniſſe des menſchlichen Lebens meiſt ganz unbeachtet, bleibt das Glück der menſchlichen Geſellſchaft, insbeſondere der Ehen und Familien, allzeit un⸗ ſicher und in Frage geſtellt, kommt das Reich des Herrn nimmer zur wahren Wirk⸗
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