Ausblick
Das Jahr 1937 bringt uns die Jahrhundertfeier der Oberrealſchule. Eine lange Zeit, reich an Schickſalen unſeres Volks und der ein⸗ zelnen. Genau 100 Jahre hat unſere Schule beſtanden. Ihr Jubeljahr iſt auch ihr Sterbejahr. Sie wird in ihrer ſeitherigen Geſtalt nicht weiterleben, ſondern eingehen in die Form der deutſchen Oberſchule. Freiwillig und gern verzichtet ſie auf ihr Sonderdaſein, weil ſie weiß, daß die neue Schulform die Weltanſchauung des Nationalſozialismus reiner verkörpert und deshalb den jungen deutſchen Menſchen nach⸗ drücklicher und zielſicherer bilden kann. Doch wird ſie der deutſchen Oberſchule mitbringen und übereignen, was ſie ſich ſelbſt in einer hun⸗ dertjährigen Geſchichte erworben, in ſchweren Zeiten gehütet und bis in die Gegenwart hinein ſtolz bewahrt hat: die Liebe zu Führer, Volk und Vaterland, den ernſten Willen zu charaktervoller Haltung und die ſtrenge Sachlichkeit des Denkens. Sie geht unter, um in der Schule des Dritten Keiches eine höhere Auferſtehung zu erleben.
Das pädagogiſche Seminar an der Oberrealſchule zu Gießen von 1914 bis 1937
Mit dem Entſtehen und Werden eines georoͤneten Schulweſens trat ſofort die Frage nach einer regelrechten, zweckentſprechenden pädago⸗ giſchen Vorbildung für das Schulamt auf. Es galt, die wiſſenſchaft⸗ lichen Grundlagen, die die Referendare von der Hochſchule mitbrach⸗ ten, zu erweitern und zu vertiefen. Daneben ſtand als unabweisliche Forderung, eine ausreichende praktiſche pädagogiſche Vorbildung für das Anterrichten dem jungen Erzieher angedeihen zu laſſen.
Schiller hat am Gumnaſium zu Gießen mit den erſten Verſuch zur Löſung dieſer Frage unternommen und mit gutem Erfolg durch⸗ geführt. Da man in Heſſen den Wert der Schillerſchen Anſtalt erkannt hatte, war man beſtrebt, Einrichtungen gleicher Art zu ſchaffen. Die Aniverſitätsſtadt Gießen hatte viele Kandidaten des höheren Lehr⸗ amts; es lag daher nahe, neben dem Gumnaſium eine weitere Schule zur Seminaranſtalt zu machen. Mit dem Auf⸗ und Ausbau der Real⸗
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