Leben der Kation durchflutet. Dies kommt ſchon in dem feierlichen Akte der Flaggenhiſſung zum Ausdruck, mit dem jedes Semeſter be⸗ gonnen und geſchloſſen wird. Dazu beginnt jeder Tag mit Leitſpruch, Morgenübung und Tageslied- ſichtbare Zeichen einer neuen Zeit, die jedem, der am Schulhof vorübergeht, auffallen müſſen.
Von jeher wurde der Alltag der Schule unterbrochen durch Feiern und Gedenkſtunden, die entweder bei beſonderen Anläſſen oder in jährlicher Wiederkehr begangen wurden. Man wird ſagen dürfen, daß es die Republik nicht verſtand, Feſte zu feiern, die wirklich den jun⸗ gen Menſchen unmittelbar packten. Der Höhepunkt des Feſtjahres, der Verfaſſungstag, war blutleer und rein„akademiſch“. Die Sitte, großer deutſcher Männer zu gedenken, war ſchön und iſt beibehalten worden. Früher waren es in der Hauptſache„Geiſteshelden“, heute ſind auch heroiſche Geſtalten dazugekommen. Am eindrucksvollſten ſind die gro⸗ ßen Feiertage der Nation. Mächtig ſchlägt die Woge völkiſchen Lebens durch die Schulgemeinſchaft hindurch, der geſteigerte Khuthmus des Ganzen beſchwingt das Lebensgefühl, und die Sumbole des Dritten Reiches ſprechen unmittelbar zu den Sinnen.
Wir geben im Folgenden einen Kückblick auf feſtliche Stunden, die die Schule beging.
In den Kachkriegsjahren wurde die Schule zu verſchiedenen Kund⸗ gebungen aufgerufen, die mit den Zeitumſtänden zuſammenhingen. So am 14. 5. 1919 gegen den Gewaltfrieden von Verſailles und am 10. 1. 1923 gegen den Ruhreinbruch. Jahr für Jahr wurde dann die verfaſſung gefeiert. Auch die Trauerfeier für die im Krieg Gefal⸗ lenen kehrte, wie es ſich geziemt, jedes Jahr wieder. Ebenſo begingen alle Gießener Schulen ſeit 24. 6. 21 gemeinſam den Jugendtag. Die jährlich ſtattfindenden Reichsjugendwettkämpfe fanden für gewöhn⸗ lich ebenfalls einen feierlichen Abſchluß. Später kamen zu dieſen regelmäßigen Veranſtaltungen noch hinzu: der Muttertag und der Tag der Hausmuſik. An die Stelle des Verfaſſungstages, für den ſich die Schüler bei ſeiner Blutleere niemals begeiſtern konnten, tra⸗ ten im Oritten Reich die hinreißenden Feiertage der Nation.
Ferner wurden Schulfeiern bei beſonderen Anläſſen abgehalten. Solche Anläſſe waren etwa: die Amtseinführung Hindenburgs(12. 5. 25), die 1000jährige Zugehörigkeit der Rheinlande zu Deutſchland
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