Die Tabelle gibt ein ziemlich deutliches Bild der Schülerzahl. Auch ſie ſpiegelt in ihrer Bewegung allgemeine Zeitverhältniſſe wider. Das ſtarke Anwachſen vor dem Krieg hängt mit dem wirtſchaftlichen Aufſtieg Deutſchlands zuſammen. Während des Friegs hielt ſich die Beſucherzahl ungefähr auf gleicher Höhe wie 1914. Nach dem Krieg erfolgt ein ſtarkes Anſteigen. Die Einrichtung der Grundſchule wirkte ſich in einem ſtärkeren Beſuch der höheren Schule aus: alle Be⸗ gabteren wanderten in die gehobenen Bildungsanſtalten ab. Der Ge⸗ danke„Wiſſen iſt Macht“ fing an, im Volke Fuß zu faſſen. Das zu⸗ nehmende Berechtigungsunweſen zwang zum Erwerb von Befähi⸗ gungsnachweiſen. Von den dreißiger Jahren an ſetzt dann eine— Schrumpfung ein. Jetzt machen ſich bereits die ſchwachen Kriegsjahr⸗ gänge bemerkbar. Auch erſcheinen vorerſt die Mädchen nicht mehr auf unſerer Liſte, da ſie ins Lgceum abgewandert ſind. 1933 kommt dann noch dazu, daß dem überſtiegenen Intellektualismus der ſpät⸗ bürgerlichen Zeit Abbruch getan wird, das Berechtigungsweſen eine Auflockerung erfährt und dem tüchtigen jungen Deutſchen nun auch andere Aufſtiegsbahnen offen ſtehen. Der Abbau der höheren Schule von 9 auf 8 Klaſſen wird ſich weiterhin im Sinne einer Verkleinerung der Schülerzahl auswirken. Wir halten dieſe Entwicklung für geſund, wenn ſie wirklich mit dem Grundſatz gerechter Ausleſe Hand in Hand geht.
Ein Wort noch über die Mädchen. Sie gehörten der Oberrealſchule faſt ſeit ihrem Beſtehen an und haben ſie in ununterbrochener Reihen⸗ folge bis 1928 beſucht. In dieſem Jahr übernahm ſie die neu gegrün⸗ dete Studienanſtalt. Als dieſe 1934 abgebaut wurde, kamen ſie wie⸗ der. Bis 1935 hatten wir gemiſchte Klaſſen; von da ab wurden ſelb⸗ ſtändige Mädchenklaſſen eingerichtet. Man kann über die Zulaſſung von Mädchen an Knabenſchulen verſchiedener Meinung ſein. Bei uns haben ſich keinerlei Mißſtände herausgeſtellt. In der Regel hat ſich zwiſchen Jungen und Mädchen eine gute und unbefangene Kamerad⸗ ſchaft angebahnt. Auch heilſame ſoziale Brücken wurden geſchlagen. Die Mädchen brachten Farbe und Leben in das Bild des ſchuliſchen Daſeins. Doch wird es von 1938 keinen duwachs mehr geben. Von da ab werden die Mädchen in der für ſie neu geſchaffenen Oberſchule einem Bildungsgang zugeführt, der ihrer Eigenart und ihrer Auf⸗ gabe im Volksganzen entſpricht. Dieſe Entwicklung mußte einmal kommen. Sie ſchließt einen Abſchnitt in der Geſchichte der Oberreal⸗ ſchule ab, der doch auch ſeine freunoͤlichen Seiten hatte.
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