Aufsatz 
Festschrift der Oberrealschule zu Gießen 1837-1937 / Hrsg. von Hugo Leonhardt und seinen Mitarbeitern
Entstehung
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Im Winter 1870/71 wurde dann eine dritte Vorſchulklaſſe ein⸗ gerichtet, ſo daß nun auch die Vorſchule voll ausgebaut war.

Von den Ereigniſſen des ruhmreichen Krieges 1870/71 wurde die Schule, verglichen mit den tiefgreifenden Einwirkungen des Welt⸗ krieges auf ſie, nur wenig berührt: kein Lehrer nahm als Mitkämpfer am Kriege teil, nur einer befand ſich als Mitglied des Sanitätskorps auf dem Kriegsſchauplatz. Die kaum 16jährigen Schüler der oberſten Klaſſe kamen als Kriegsfreiwillige nicht in Betracht, die Lehrer waren als Beamte vor 1860 nicht militärpflichtig geweſen und in⸗ folgedeſſen auch nicht ausgebildet. Der Turnunterricht allerdings mußte lange eingeſtellt bzw. eingeſchränkt werden, da die alte Turn⸗ halle(Hindenburgwall) zum Veſervelazarett eingerichtet worden war.

Die ſeit 18068 ungeahnt raſch anſchwellende Schülerzahl bewies, daß die Schule nunmehr auf feſter Grundlage ſtand: von 119 Schülern im Jahre 1867/68 ſtieg ſie bis 1874/75 auf 456. Für ſoviel Schüler war das Schulhaus am Neuenweger Tor nicht vorgeſehen; man mußte bald einen Keubau ins Auge faſſen. Die Stadtbehörde ging bereit⸗ willig auf dieſen Plan ein, bewilligte, nachdem das Miniſterium den KNeubau genehmigt hatte, die nötigen Mittel und ſtellte einen Bauplatz in der Luoͤwigſtraße zur Verfügung. Die Grunoͤſteinlegung erfolgte am 2. Mai 1874 unter Teilnahme des Stadtvorſtandes, in dem von Feinoͤſchaft gegen die Schule keine Rede mehr war.

Da die Zahl der Schüler ſich weiterhin ununterbrochen ſteigerte, trotz der Schulgelderhöhung auf 48 Mark für die drei unteren, 60 Mark für die drei oberen Klaſſen, bedeutete es eine Befreiung aus unhalt⸗ baren Juſtänden, als man enoͤlich im Oktober 1870 den Neubau, der ein Werk des Stadtbaumeiſters Stief iſt, beziehen konnte. Nun hatte man genügend Kaum, konnte ſich nach Bedürfnis ausdehnen, konnte die Apparate und Sammlungen in geeigneten Räumen auf⸗ ſtellen, die Klaſſen 5 und é trennen, die für mehrere Alnterrichts⸗ fächer bis dahin unvermeioͤbare Vereinigung der Klaſſen 1 und 2 beſeitigen und an die notwendige Berufung neuer Lehrer denken. Die Lehrer Werner und Scherer waren ausgeſchieden, neu traten im Herbſt 1876 Dr. Theiſen, Spamer, Dietz und Kahl ein.

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