Aufsatz 
Festschrift der Oberrealschule zu Gießen 1837-1937 / Hrsg. von Hugo Leonhardt und seinen Mitarbeitern
Entstehung
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willigen Militärdienſt zu erteilen. Gleichzeitig berechtigte aber nunmehr das Abgangszeugnis der Schule zum Eintritt in die Pro⸗ vinzialgewerbeſchulen, zur Markſcheider⸗ und zur Feloͤmeſſerprüfung, zum Eintritt in die ſog. mittleren Laufbahnen.

Bei der Feſtlegung der Stundenzahlen der ſprachlich⸗geſchichtlichen Fächer einerſeits und der mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftlichen an⸗ dererſeits in den zwei neuen Klaſſen kam es im Lehrerkollegium noch einmal zu einem Meinungsſtreit, in dem die Vertreter der letzteren, Taſché und Buchner, ſich auf den alten„techniſch⸗naturwiſſenſchaft⸗ lichen Charakter“ der Schule berufend, Vermehrung der Stunden⸗ zahl ihrer Fächer(Mathematik, Chemie, Eroͤkunde) forderten. Dr. Stein(Mathematiker!) wies aber in ſeinem Bericht vom 6. März 1860 an die Behörde in Darmſtadt darauf hin, daß die Schule keine Fachſchule mehr ſei und eine Beeinträchtigung der ſprachlich⸗ethiſchen Fächer zu einer unerträglichen Sonderſtellung der Realſchule Gießen führen werde, die ſich auf die Dauer nicht werde halten laſſen. So blieb es bei der von ihm vorgeſchlagenen Stundenverteilung.

Von jetzt ab erſt kann die Exiſtenzgrundlage der Realſchule als geſichert betrachtet werden. Zugleich hat ſie aufgehört, eine bloß gewerblichen Zwecken dienende Vorbereitungsanſtalt zu ſein, ſie iſt, wie Direktor KNoonagel mit Recht bemerkt,„in die Reihe derjenigen deutſchen Schulen eingetreten, welche ihren Schülern ein gewiſſes Maß allgemeiner Bildung, ohne direkte Bezugnahme auf den künftigen Beruf, zu geben beſtimmt ſind“. Da erſt das Abgangs⸗ zeugnis der Schule die obigen Berechtigungen verleiht, war endͤlich erreicht, was Schulleitung und Lehrerſchaft jahrelang erſtrebt hatten, daß die Schüler über die Konfirmation hinaus genötigt waren, in der Schule bis zur Schlußklaſſe auszuhalten.

Infolge dieſer Neuerung war eine Vermehrung des Lehrperſonals nötig geworden. Es wurden an die Schule berufen: Dr. Landmann als Neuſprachler und die Lehrer Albach, Jann(1868) und Seipp (1869), von denen die drei letzteren jahrzehntelang bis zur Ver⸗ ſetzung in den Ruheſtand bzw. bis zum Tod(Seipp) an der Schule verblieben. Als Lehrer für das Turnen, das ſeit Frühjahr 1800 allgemeinverbindlicher Lehrgegenſtand war, wurde Neujahr 1870 der als Turner weithin bekannte Chr. Rübſamen der Anſtalt zugewieſen.

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