Dr. Otto Buchner erhalten. Buchner iſt außer als Lehrer auch bekannt geworden als Erforſcher der Geſchichte Gießens, ein ſeltenes Beiſpiel dafür, daß ein Naturwiſſenſchaftler ſich auch gleichzeitig als Hiſtoriker ausgezeichnet hat.
Trotz all dieſer Perſonalveränderungen war die innere Organiſation der Schule dieſelbe geblieben. Sie hatte nach wie vor ihre vier Klaſſen, und auch im Lehrplan kam es nur zu unbedeutenden Anderungen. Immerhin iſt zuzugeben, daß mit der Berufung neuer Lehrer und des Dr. Weigand als Direktor„neue Lebenskraft in ihre Adern gefloſſen war“(Nodnagel). Im April 1857 trat an Stelle Dr. Köhlers Dr. Otto Bindewald, ein Mann mit umfaſſender Gelehrſamkeit, der den deutſchen Anterricht zum großen Teil übernahm. Er hat nahezu 40 Jahre an der Schule gewirkt.
Beſonders hob ſich bald der chemiſche Anterricht, ſo daß am 19. April 1858 die oberſte Schulbehörde jungen Leuten, die die erſte Klaſſe der Schule erfolgreich durchlaufen hatten, die Teilnahme an den prak⸗ tiſchen Abungen des chemiſchen Laboratoriums, alſo den beſchränkten Zugang zur Hochſchule, geſtattete. Manchem der betr. jungen Leute hat das den Weg zu glänzender Lebensſtellung eröffnet(Noonagel). Kurz vor der Feier des 25jährigen Beſtehens der Anſtalt, im Jahre 1862, war der verdiente Dr. Hanſtein, der ſeit Beſtehen an ihr gewirkt hatte, mit Tod abgegangen. Er wurde durch Dr. Lips erſetzt, der ihn ſchon während ſeiner Krankheit vertreten hatte.
Wenn hier auf die Perſönlichkeiten der Lehrer der damaligen Zeit etwas näher eingegangen iſt, ſo geſchieht das mit deshalb, um zu zeigen, daß der Niedergang der Schule in den Jahren 1847-52 auf keinen Fall an etwaiger Alnzulänglichkeit der Lehrer lag. Es wirkten in dieſer Zeit im Gegenteil hervorragend tüchtige Männer, von denen nicht wenige noch heute rühmend genannt werden, an unſerer Real⸗ ſchule. Mancher ihrer Schüler, der noch am Leben iſt, gedenkt in
laſſenem, ruhigem Weſen, wurde 1849 a. o. Prof. und wirkte auch an der Ani⸗ verſität mit großem Erfolge.(Vgl. Otto Behaghel, Heſſ. Biograph. 1934.)
1. Otto Buchner, geb. zu Darmſtadt 22. Mai 182s8, trat nach langer, erfolgreicher Lehrertätigkeit a. d. Schule, 16. 9. 1894 i. ö. Ruheſtand und ſtarb 4. 2. 1897 zu Gießen(vgl. Karl Ebel, Heſſ. Biographien 1912).
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