Aufsatz 
Wielands Verhältnis zu Edmund Spenser, Pope und Swift : (1. Teil.) / von Ludwig Lenz
Entstehung
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den Einfluß von F. Q. 3, Canto 6, V. 150 f., wo Diana und ihre Begleitung beschrieben wird, entstanden sein.

Deutlich zeigt sich dagegen der Einfluß von Spensers F. Q. imNeuen Amadis. Auch weist Wieland selbst ausdrücklich in folgenden Worten des oben angezogenen Briefes an Riedel vom 15. Dezember 1768 darauf hini¹):Vorik und Fairy Queen, zween Werke, die wahrhaftig nicht viel Ahnliches mit einander haben, haben dennoch, weil sie in meinem Kopfe auf einander treffen, einen seltsamen Einfall, den ich schon über ein Jahr lang schlafen gelegt hatte, wieder aufgeweckt und völlig ausgebrütet, wovon Sie zu dieser Zeit das Mehrere vernehmen sollen. Bis dahin mögen Sie sich begnügen zu wissen, daß dieser Gedanke der Plan eines Gedichtes ist, und daß dieses Gedicht der neue Amadi 8, oder die sechs Töchter des Königs Bombo heißen wird, und wenn Sie sich von diesem bloßen Titel: Things unattempted in prose or rime versprechen; Dinge, welche die Be- trübtesten fröhlich und die Weisesten lachen zu machen fähig seyn sollen.... so werden Sie sich, wie ich zu Gott hoffe, nicht betrogen finden......*

Schon äußerlich läßt sich in dem bunten Gemisch von Rittertaten und Zauber- geschichten eine Ahnlichkeit des N. A. mit der F. Q. nicht verkennen; in beiden Gedichten haben wir irrende Ritter und wandernde Schöne. In beiden sind es allegorische Figuren, wenn auch die Allegorie bei Spenser etwas weiter reicht. Bauer ²) schreibt die zerfahrene Komposition, den phantastischen Wechsel von bunten Abenteuern vor allen Dingen dem Einflusse Ariostos zu, wenn er daneben auch den Sternes gelten lässt. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass hier vielmehr Spensers F. Q. als der ltaliener auf Wieland gewirkt hat; denn gerade in der F. Q. finden wir diese Eigentümlichkeit ganz besonders ausgeprägt.

Fassen wir nun den Inhalt des N. A. etwas näher ins Auge und sehen dabei, wie weit Wieland hier durch Entlehnung von Motiven und Figuren von der F. Q. abhängig ist.

Die fünf Töchter Schach Bambos, die spröde Leoparde, die runde, einfältige Dindonette, die gezierte Schattulliöse ³), die launische Colifischon und die kalte Blaffardine sind ausgezogen, um dem Orakelspruch gemäß das zu suchen, was sie nicht haben. Von den vielen Freiern, die schon die Schönen umworben, haben sich ihrem Zuge nur der weinerliche Bleumourant, der Sohn und Erbe des Kaisers von Trebisonde, und der weibische Caramel angeschlossen. Ein Vierteljahr sind sie bereits unterwegs, als eines schönen Tages, während sich die ganze Gesellschaft der Mittagsruhe hingegeben hat, schmetternde Hornstösse die Ankunft eines Ritters verkünden. Es ist Parasol, der Ritter mit dem Fächer, der, von einem Riesen begleitet, ankommt. Sein Erscheinen ruft einen derartigen Schrecken bei der Reisegesellschaft hervor, dass sich die Königstöchter nach allen Winden zerstreuen. Nur Dindonette und Colifischon bleiben zurück; jene aus Träg. heit, diese, weil die Hoffnung auf Abenteuer sie entzückt.

Als Vorbild für das Motiv der nach Ehemännern suchenden Schönen mag wohl Wieland Britomartis, die ritterliche Heldenjungfrau, gedient üaben, von der im 3. Buch,

1) Vergl. S. 5, Anmerk. 3. 2) a. a. O. 1809, VIII.

3) In der Ausgabe Göschen Chatouilleuse, Colifichon.