Aufsatz 
Die Entwickelung der deutschen Orthographie bis zur Gegenwart mit Rücksicht auf das von der Schule zu befolgende Prinzip / Leimbach
Entstehung
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Dr. Klaunig, Oberlehrer an der Realſchule zu Leipzig,(Leipzig, Schlicke), iſt der Titel einer Schrift, die in erſter Aufl. 1857 erſchien. Als leitender Grundſatz war aufgeſtellt:Die hexge⸗ brachte Orthographie wird in allen den Fällen beibehalten, in welchen die Schreibweiſe nicht ſchwankt; in ſchwankenden Fällen wird diejenige Form gewält, welche die Forſchung der hiſtoriſchen Schule als richtig hinſtellt, mit Ausnahme der wenigen Wörter, in welchen durch ſtreng hiſtoriſche Schreibweiſe nahverwandte Formen von einander getrennt würden. Daran ſchloß ſich ein Auszug für Schüler unter dem TitelRegeln und Wörterverzeichnis für deutſche Rechtſchreibung ꝛc. Die hier vorgeſchlagene Schreibweiſe fand nicht nur Eingang in verſchiedenen Schulen Sachſens und anderer Staaten, ſondern wurde auch von Herausgebern verſchiedener Schulſchriften und Schul leſebüchern befolgt(z. B. von Dr. Odermann, Direktor an der Handelsſchule zu Leipzig in den neuen Aufl. vonSchiebes Auswal deutſcher Handelsbriefe; von Benſer und Ruge in ihrem Dresdner Leſebuch für Handelsſchulen; von Dr. Paldamus in ſeinem Leſebuche u. ſ. w.), ja auch in Staaten, wo die Behörden die Regelung der Orthographie für die Schulen in die Hand nahmen, wie in Würtemberg, bekannte man ſich zu dem in dem Werke ausgeſprochenen Prinzip und nahm die Vorſchläge mit wenigen Abänderungen an. Von Bedeutung aber wurde es, als der Ausſchuß der elften allgemeinen deutſchen Lehrerverſammlun g einen Aufruf an die einzelnen Lehrervereine ergehen ließ, die Einigung in der Rechtſchreibung durch kollektive Mitwirkung fördern zu helfen und dabei das Werk des Dr. Klaunig als Grundlage der Beratung anzu⸗ nehmen. Die elfte allgemeine Lihrerverſammlung, zu Koburg 1860 tagend, machte dann die Angelegenheit zu der ihrigen und beauftragte den Dr. Klaunig, die fernere Leitung derſelben in die Hand zu nehmen ⁵²). Zwar wurde bei der 12., 13. und 14. deutſchen Lehrerverſammlung keine Einigung erzielt, aber die Angelegenheit war doch in den verſchiedenſten Kreißen angeregt und in Fluß gekommen, was ſchon der eine Umſtand beweiſt, daß im ganzen 39 Gutachten eingegangen waren. Die aus den 1855 ſtattgefundenen Beratungen desBerliner geſelligen Lehrervereins hervorgegangene Schrift fuͤhrt den Titel:Die deutſche Orthographie im 19. Jahrhundert. Im Jahre 1857 trat Lamprecht mit den Vorſchlägen für die Schule der Stadt Chemnitz hervor. Für Gymnaſium und Realſchule zu Ellwan gen erſchienen 1858 nach Raumers Grundſätzen orthographiſche Regeln von Högg; in demſelben Jahre und nach den⸗ ſelben Grundſätzen von Prof. Kratz in Stuttgart:Die deutſche Rechtſchreibung für die Schulen Würtembergs. Einen Vorſchlag zur Einigung zunächſt für die kurheſſiſche Volksſchule machte Dr. Bezzenberger mit denRegeln für die deutſche Rechtſchreibung nebſt einer Wörterverzeich⸗ niſſe.(Kaſſel, Luckhardt. 1859). Dieſe Schrift gelangte zwar auf amtlichem Wege in die Volks⸗ ſchule, konnte aber keinen Boden gewinnen, weil durch Schilbe'sPrüfung der Regeln ꝛc. und dasGutachten des Konſiſtorialrats Prof. Dr. Vilmar zu Marburg nachgewieſen wurde,daß ſie wegen ihrer Prinziploſigkeit, unklaren Regeln und Unrichtigkeiten, ungeachtet mancher in der⸗ ſelben enthaltener wichtiger Einzelheiten, im ganzen als ein maßgebender oder grundlegender Vorſchlag zur Einigung über eine Verbeßerung der Orthogr. für die Volksſchulen(bezw. der Schullehrerſeminarien) in Kurheſſen ſich nicht geeignet erwies. Fürs Hirſchberger Gymnaſium ordnete 1862 Thiel die Orthographie. In Wien hatte Schober ſchon 1860 in ſeinerRechtſchreiblehre für Volks⸗ und Unterrealſchulen die Orthographie der Sprach⸗ und Leſebücher vollſtändig durchgeführt. In Direktor Bernhard'sEin Wort über deutſche Rechtſchreibung an die Lehrer und das intelligente Publikum(Wien 1867) undDie deutſche Rechtſchreibung für Schüler der öſterreichiſchen Volks⸗ ſchulen(Wien 1868) wird dieſe Orthographie mit Eifer verteidigt. Dagegen einigten ſich im Jahr 1861 die evangeliſchen Schulen in Wien unter dem Direktor Schröer auf Grundlage von Schröers, Raumers und Klaunigs Schriften. Der Entwurf für die Schulen wurde 1864 auch im VereineMittelſchule angenommen. Die von Schröer im Auftrage des orthographiſchen Ausſchußes ausgearbeite Schrift:Vorſchläge zur Anbahnung einer Verſtändigung in der Rechtſchreibung beim deutſchen Unterricht in den Volks⸗ und Mittelſchulen Oeſterreichs(Wien 1867) wurde vom Verein dem Unterrichtsminiſterium vorgelegt mit der Bitte, ſolche den Schulen zu empfehlen.

Ebenſo erſchienen in der Schweiz, z. B. in St. Gallen,Regeln und Wörterverzeichniſſe zum Gebrauche in den Schulen. Im J. 1864 wurden vom ſchweizeriſchen Lehrerverein durch einen

52) Dr. Klaunig, der ſeine letzte Kraft dieſem Einigungswerk gewidmet hat, ſtarb am 21. Febr. 1862.