Aufsatz 
Beiträge zur Xenophonlektüre der Obertertia
Entstehung
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Beiträge zur NXenophonlektüre der Obertertia.

Von Oberlehrer G. Lauteschläger.

Für den griechischen Unterricht ist entscheidendes Gewicht auf Beseitigung unnützer Formalien zu legen und vornehmlich im Auge zu behalten, dass neben der ästhetischen Auf- fassung auch die den Zusammenhang zwischen der antilen Welt und der modernen Kultur auf- weisenden Betrachtungen zu ihrem Recht kommen. Mit diesen Worten bezeichnet der kaiser- liche Erlass an den preussischen Kultusminister vom 26. Nov. vorigen Jahres die Aufgabe, die bei der künftigen Gestaltung des höheren Schulwesens in Preussen dem griechischen Unterricht auf dem Gymnasium zufällt. Ob und inwieweit die erste der beiden Forderungen bereits erfüllt ist, wird sich erst dann feststellen lassen, wenn man sich über den Begriff unnützer Formalien vollständig geeinigt hat. Vorläufig gehen hierüber die Meinungen noch ziemlich weit auseinander.

Die zweite Forderung besagt, dass dieden Zusammenhang der antiken Welt und der modernen Kultur aufweisenden Betrachtungen zu ihrem Recht kommen sollen. Es ist wohl anzunehmen, dass dies nicht nur für das Griechische, sondern überhaupt für den sprachlich- geschichtlichen Unterricht gilt; es stünde schlimm um das Gymnasium, wenn es sich dieser Aufgabe nicht bewusst wäre.

Die sprachliche Form, sagt Caueri), soll keineswegs der einzige Gegenstand unserer Bemühungen sein; sonst wäre die Besorgnis, dass darüber die Beschäftigung mit den Sachen selbst, dem wirklichen, greifbaren Inhalt des Lebens zu kurz komme, nicht unbegründet.... Besser wäre es, wir könnten den Unterricht in den alten Sprachen in seinem Innern so ge- stalten, dass er selber für die realen Verhültnisse des Lebens das Auge schärft, Interesse er- weckt und Ferständnis vorbereitet. Cauer zeigt in seiner Schrift an vielen glücklich gewählten und geistvoll behandelten Beispielen,wie Litteratur und Geschichte der beiden alten Völker für die Vorbereitung auf ein wesentlich praktisch gerichtetes Leben fruchtbar werden könnend), und wie³) im Anschluss an sachliche Erklärungen, die zum Verständnis der alten Geschichte und der alten Schriftsteller ohnehin gegeben werden müssen, sich auf Schritt und Tritt Anlass bietet, die heute bestehenden Verhältnisse zu erläutern. Zustände und Einrichtungen der Alten

1) Paul Cauer. Wie dient das Gymnasium dem Leben? 1900. S. 3. 2) S. 4. 3) S. 22 u. 23. 1*