Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte Limburgs in der Zeit der Dynasten : 2. Teil: Die Zeit Gerlachs II. 1312-1355 / von Christian Bahl
Entstehung
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Beiträge zur Geschichte Limburgs

in der Zeit der Dynasten, unter Benutzung der Archivalien des städtischen Archivs in Limburg, von Christian Bahl, ordentl. Lehrer des Realprogymnasiums. ¹)

II.

Gerlach II. 1312 1355.

Als Johann I. am 29. September 1312 seine 23 jährige Regierung im Tode beendete, weilte das Reichsoberhaupt Kaiser Heinrich VII. in Italien, wohin er im Herbste 1310 gezogen war um die Kaiserkrone zu gewinnen und das gesunkene kaiserliche Ansehen wiederherzustellen. Schon am 24. August 1313 wurde in Buonconvento bei Siena durch den unerwarteten Tod der so vielversprechenden Regierung ein plötzliches Ziel gesetzt, und es begannen politische Wirren in Deutschland, in die auch Gerlach II. ²) von Limburg verwickelt wurde. Zwischen König Albrecht I. und Johann I. von Limburg hatten im Verlaufe der Regierung des ersteren so innige Beziehungen bestanden, dass es den österreichischen Herzögen und ihrem eifrigen Parteigänger Erzbischof Heinrich(v. Virneburg) von Köln nicht schwer fallen konnte auch den Herrn von Lim- burg für die Sache des Wahlkandidaten der österreichischen Partei, Herzog Friedrich, Sohn Albrechts I., zu gewinnen. ³) Es ist bekannt, wie die luxemburgische Partei, da für den 17jäh- rigen Sohn Heinrichs VII., König Johann von Böhmen, keine Aussicht auf erfolgreiche Bewer- bung um die erledigte deutsche Krone sich eröffnete, den Bayernherzog Ludwig dem Oester- reicher entgegenstellte und wie mit der Doppelwahl am 19., resp. 20. Oktober 1314 ein fast Sjähriger Bürgerkrieg in Deutschland eröffnet wurde. Zu den eifrigsten Anhängern Friedrichs am Mittelrheine zählte ausser den Grafen von Nassau, von Sponheim und Diether von Catzen- elnbogen auch Herr Gerlach II. von Limburg. An Anerkennung und Belohnung liess es Fried- rich der Schöne nicht fehlen. 1318 am 18. Februar hatte er für die Grafen Gerlach u. Johann von Nassau, Simon und Johann von Sponheim und für Gerlach von Limburg) die Bevoll- mächtigung zur Gewinnung von Parteigenossen ausgestellt, und noch in demselben Jahre folgten neue Gnadenbeweise. Am 12. März verspricht er den Grafen Gerlach, Walram, Heinrich, Emicho, Johann von Nassau, den Grafen Simon und Johann von Sponheim, den Herren Gerlach von Limburg und Luther von Jsenburg in Anerkennung ihrer Verdienste um das Reich je 1000

Anm. ¹) Der I. Teil, umfassend die Zeit Gerlachs I. und Johanns I. mit 7 Urkunden 1278, 1279, 1281, 1306, 1306, 1309, 1311, bildete die wissenschaftliche Beilage zum Programm 1889.

Anm. ²) Die älteste Urkunde von Gerlach ist wohl die Corden l. c. Bd. 2,§ 135 erwähnte Schenkung von Zehnten an Kloster Marienborn(Geneal. Jsenburg pg. 182) vom J. 1313.

Anm. ³) Schon 1312 Nov. 22. war zwischen Erzb. Heinrich und Herzog Rudolf von Bayern ein Vertrag in der Absicht geschlossen worden, dem Herzog Friedrich von Oesterreich nach dem Ableben Kaiser Heinrichs VII. zur römischen Königswürde zu verhelfen.

Anm.) Schliephake(Menzel) Geschichte von Nassau Bd. 4, pg. 109.

1890. Progr.-No. 411.