Vorwort.
Levi ben Gerschom,(gew. ben Gerschon), bei den nichtjüdischen Schriftstellern auch Leo de Balneolis genannt, mehr bekannt unter dem Namen Gersonides, wurde 1288 geboren. Sein Geburtsjahr ist aus dem arithmetischen Werk, das uns hier vörliegt, zu bestimmen. Es ist im Jahre 5081, d. i. 1321 der gewöhnlichen Zeitrechnung, im 33. Lebensjahr des Verfassers beendet worden, wie am Schlusse des zweiten Abschnittes mitgeteilt wird. Levis Todesjahr steht nicht genau fest, sicher ist nur, daß er 1343 noch gelebt und 1360 als ein Verstorbener genannt wird. In Orange, Perpignam und vor- nehmlich in Avignon, der damaligen Residenz der Päpste, lebend, wurde er von den Verfolgungen, denen die Geldgier Philipps des Schönen die Juden seines Reiches preisgab, verschont, denn Avignon war gerade um diese Zeit an Karl von Anjou abgetreten worden und Perpignam gehörte noch zu Arragonien, in dem die Juden noch fast zwei Jahrhunderte ein verhältnismässig ruhiges Leben führen durften. Auch die Hirtenverfolgungen, unter denen Arragonien viel zu leiden hatte, trafen ihn nicht direkt, da er zu dieser Zeit in Avignon lebte und der Papst, der die Ausschrei- tungen der wilden Horden gegen die christlichen Geistlichen Frankreichs,„die falschen Hirten“, mit Schrecken sah, den Strom der fanatischen Banden von seiner Residenz weg nach Spaniem zu leiten verstand. So führte Levi ben Gerschom ein verhältnismässig ruhiges Leben und konnte seine überaus grossen Geistesgaben auf den meisten Gebieten der Wissenschaft entfalten.
Es ist erstaunlich, wie vielseitig Gersonides war, und es ist charakteristisch für ihn, mit welcher Gründlichkeit und wie methodisch er in allen Disziplinen arbeitete, mit denen er sich be- schäftigte. Seine Kommentare zur Bibel, unter denen besonders


