Das Winterſemeſter und mit ihm das neue Herbſt⸗Schuljahr begann am 9. Oktober.
Die Verhandlungen, welche ſeit einer Reihe von Jahren zwiſchen der Staatsregierung und der Stadt Caſſel geführt worden waren, um durch Errichtung von Parallelklaſſen der fortdauernden überfüllung der Anſtalt und der durch dieſe gebotenen Abweiſung von Schüleranmeldungen zu ſteuern, haben im Laufe des Schuljahres zu dem definitiven Abſchluſſe eines Vertrages wegen Errichtung eines zweiten ſtaatlichen Gy⸗ mnaſiums geführt, ſodaß nunmehr in dieſem Frühjahre mit der Aufführung eines zweiten Gymnaſialgebäudes begonnen werden ſoll. Da aber die Stadt Caſſel ſchon vom 1. Oktober 1882 ab dem Gymnaſium eine Anzahl größerer Klaſſenräume in dem bisherigen Bürgerſchulgebäude(Mauerſtraße 8) zur Verfügung ſtellte, ſo durfte bereits im Herbſte einer weit größeren Anzahl von Schülern Aufnahme gewährt werden. Die Klaſſen Oſter⸗Quinta und Oſter⸗Sexta erreichten zwar infolgedeſſen eine ungewöhnliche und den Unterricht ſehr erſchwerende Frequenz, aber durch die dankenswerte Bereitwilligkeit der Lehrer Prätorius II, Küpker, Mülot und Schotten wurde es möglich, dieſe beiden Klaſſen teilweiſe in je zwei Cöten zu unterrichten und ſo den Nachteilen einer übermäßigen Frequenz zu begegnen. Während des Winterſemeſters waren die fünf unterſten Klaſſen(VIb, VIa, Vb, Va und IVa) in dem genannten Schulgebäude untergebracht.
Die herkömmliche gemeinſchaftliche Feier des heiligen Abendmahles wurde von den evangeliſchen Lehrern und Schülern am Sonntag den 5. November in der St. Martinskirche begangen.
Die Chriſttagferien dauerten vom 24. December 1882 bis zum 8. Januar 1883. Am Tage vor dem Beginn dieſer Ferien wurde wie alljährlich eine Weihnachtsandacht gehalten.
Die Abiturientenprüfung zum Oſtertermine wurde in ihrem ſchriftlichen Teile vom 29. Januar bis zum 3. Februar, in ihrem mündlichen Teile am 13. und 14. März unter dem Vorſitze des Direktors abgehalten.
Der Bibliothek und dem naturhiſtoriſchen Lehr⸗Apparate floſſen auch in dieſem Schuljahre manche Geſchenke zu, was mit gebührendem Danke gegen die Geber hier erwähnt wird.
IV. Statiſtiſches. A. Lehrer.
Mit dem Schluſſe des Sommerſemeſters ſchied der Oberlehrer Dr. Schmidt aus dem Lehrerkollegium infolge ſeiner Verſetzung an das Gymnaſium zu Rinteln. Infolgedeſſen rückten die Oberlehrer Dr. Held⸗ mann und Dr. Krämer, ſowie der ord. Lehrer Püttgen vom 1. Juli an um je eine Stelle auf und wurde der ord. Lehrer Dr. Auth II. vom gleichen Termin ab zum Oberlehrer befördert. Außerdem wurde der ordentliche Lehrer Lic. theol. Richard Ortel vom Gymnaſium zu Weilburg an das hieſige Gymnaſium verſetzt. Da dieſer Lehrer aber erſt zum 1. Oktober v. J. hier eintreten konnte, ſo wurde für die Dauer des Sommerhalbjahres der Kandidat Dr. Joſeph Rübſam zur Hülfeleiſtung berufen.
Richard Ortel, geboren zu Sobernheim am 12. Februar 1840, ev. Konf., beſuchte das Gymnaſium zu Kreuznach, ſtudierte Theologie und Philologie zu Bonn und Heidelberg, wurde zu Bonn am 19. Juni 1868 zum licentiatus theologiae promoviert und beſtand eben daſelbſt am 26. Februar 1870 die Prüfung pro facultato docendi. Nachdem er Oſtern 1870/71 das Probejahr am Gymnaſium zu Wiesbaden abgeleiſtet hatte, blieb er an derſelben Anſtalt zuerſt als Hülfslehrer, dann ſeit Oſtern 1872 als ord. Lehrer beſchäftigt, bis er zu Oſtern 1876 in gleicher Eigenſchaft an das Gymnaſium zu Weilburg verſetzt wurde.
Joſeph Rübſam, geboren zu Fulda am 24. December 1854, kath. Konf., beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vater⸗ ſtadt, ſtudierte Philologie und Geſchichte zu Würzburg und Leipzig, erwarb am letzteren Orte die philoſophiſche Doktorwürde und beſtand daſelbſt am 9. December 1879 die Prüfung pro facultate docendi. Vom 1. Januar 1880 an leiſtete er ſein Probejahr am Gymnaſium zu Fulda ab und war dann ein Jahr lang Hauslehrer in Regensburg.


