Aufsatz 
Die Schulen im Bistum Lüttich im 11. Jahrhundert / vom ... Dute
Entstehung
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8. Der Moͤnch Lambert vonSt. Hubert wird Scholaſter von St. Wipcemt in Laon ¹), darnach auf Bitten des Biſchofs Raginold und des Abtes Heinrich von Sk. Remi in Rheims Lehrer an dieſem Kloſter.

9. Der berühmte Sigebert von Gembloux war lange Zeit bis 1070 Lehrer in Metz ²), welches wiederholt Lehrer und Aebte ſowie einen Biſchof aus Lüttich empfing).

10. Anſelm, der achte Abt von Gembloux, war in ſeiner Jugend Lehrer in Hautvilliers und Lagni und hatte an letzterm Orte auch ein Seminar zur Ausbildung für Lehrer. 11. Folkuin von Gembloux) wird Lehrer in Stablo. Das ſind nur wenige Namen von den vielen), welche von Lüttichs Schulen als Lehrer ausgingen. Selbſt Mönche verſchrieb man ſich von Lüttich, wie dies von König Kaſimir von Polen um 1050 für das Kloſter Finiec bei Krakau geſchah).

Die Kloſterbibliothelten.

Von Tournai und Hirſau wird die Einrichtung erwähnt), daß ſtets 12 Schreiber beſchäf⸗ tigt geweſen ſeien, welche auf erhabenen Sitzen fleißig und kunſtvoll, während ringsum Stille herrſchte, viele heilige Schriften und Kirchenväter abſchrieben und dadurch die Bibliothek vergrößerten.

Auch in den Lütticher Klöſtern muß eine derartige Einrichtung beſtanden haben, das dürfen wir ſchließen aus dem, was uns aus Gembloux berichtet wird. Hier ließ nämlich Abt Olbert ſo fleißig abſchreiben, daß er während ſeiner Amtsführung die Bibliothek dieſes Kloſters um 100 Bände geiſtlichen und 50 Bände weltlichen Inhalts vermehrte, was den Berichterſtatter zu der Be⸗ merkung veranlaßt, ſo etwas könne nur denen gelingen, die Gott fürchten). Eine ſolche Vermeh⸗ rung durfte mit Recht Verwunderung erregen, wenn man den geringen Beſtand anderer Kloſter⸗ bibliotheken dagegen hält**) und den hohen Werth der Bücher in Betracht zieht ¹).

Die Bücher, welche Olbert abſchreiben**) ließ, wird er ſich größtentheils von andern Klöſtern innerhalb oder außerhalb ſeiner Diöceſe geborgt haben, wie es damals Sitte war, wobei jedoch Vorſicht*³) nicht vergeſſen wurde.

Bei dem hohen wiſſenſchaftlichen Streben der Lütticher Schulen darf man wohl annehmen, daß ein Notker die literariſchen Schätze ſeines Kloſters St. Gallen*), ſowie die ſeines Freundes Gerbert von Rheims, ein Wolbode diejenigen von Utrecht, wo er früher Scholaſtikus geweſen, Olbert die von Troyes und Chartres, wo er mehrere Jahre ſtudirt hatte, Sigebert von Gembloux die Bibliothek von Metz, wo er Jahre lang Lehrer geweſen war, für ſein Kloſter ausgebeutet haben wird; und Männern von ſolchem Ruf wird man gern die Bücher zum Abſchreiben zur Verfügung geſtellt haben. Daher müſſen die Lütticher Klöſter am Ende des Jahrhunderts eine reiche Fund⸗ grube für die Gelehrten geweſen ſein. Angedeutet ſei hier noch, daß auch die Lütticher Biſchöfe und Aebte von ihren Reiſen ²³) nach Italien gleichfalls literariſche Schätze mitgebracht haben werden, wie dies andere thaten ²⁹).

1) HI. 7,23. 2) W. 354.) W. 336. 4) 8. 8,551 und H 7,21. 5) Cr. 113. 6) 8. 8,551 Tunc temporis(am Ende des 11. Jahrhunderts) multi fratrum nostrorum non solum in Prancia set et in aliis provintiis magistri et quasi secundi abbates erant in multis cenobiis.)) W. 380. 8) Cr. 131. 9) S. 8,540. 10) S. 9,224. Das Kloſter Benedictbeuren beſaß nur ungefähr 100 Bände, das zu Toul ge⸗ hörige Kloſter Moten-Moutiers nur 67 Bände cf. H 7,25. 11) Gfrör Greg. VII. I. 664. Im Jahr 1070 erhielt der Presbyter Ulrich für ein Meßbuch vom Grafen von Botzen einen Weinberg. Heinrich III. gab den Mönchen von Tegernſee für eine Bücherſammlung die beiden Dörfer Unholzing und Hettenbach. H. 7,3. Die Gräfin Gréci von Anjou gab für die Homilieen Haimons von Halberſtadt 200 Schafe, je einen Scheffel Weizen, Roggen und Hirſe und ſehr viele Marderfelle. 12) Man verfuhr ſchon im 1.. Jahrhundert critiſch beim Copiren. So collationirten Lanfranc und ſeine Schüler in Bec die oft von weither bezogenen beſten Manuſcripte zur Herſtellung eines reinen Textes für die Bücher der hl. Schrift. H. 7,117 u. 118. 13) Cr. 125. Notker Labeo borgte dem Kloſter Reichenau die philippiſchen Reden und einen Commentar zur Topik des Cicero nur gegen die Rhetorik des Cicero und den Commentar des Victorinus als Unterpfand. 14) Arx. 190. Die Bibliothek von St. Gallen enthielt ſchon im 9. Jahrhundert 400 Bände cf. auch Weidmann 364. 15) z. B. Everacrus 968, Notker und Heriger 989. Dietrich von St. Hubert und Biſchof Theoduinus 1074. 16) W.

220. Biſchof Otwin von Hildesheim, welcher den Kaiſer Otto 964 nach Italien begleitete, brachte von dort einen

großen Vorrath von Büchern mit und legte dadurch den Grund zu der kräftigen Entwicklung der Hildesheimer Schulen.

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