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In dem liber geometriae artis ſpricht er vom Urſprung und Nutzen der Geometrie, wie ſie dazu diene die Weisheit Gottes erkennen zu laſſen, der Alles der Zahl und dem Maß unterworfen habe; er gibt genaue Definitionen und macht ſeine Lehrſätze durch Figuren und Beiſpiele anſchaulich ¹).
Seiin Lieblingsſchriftſteller und Führer auf dieſem Gebiete iſt Boëthius, deſſen Bild im Zim⸗ mer Otto's III. er auch ein Epigramm von 12 Hexametern widmete ²).
Drei andere Abhandlungen handeln von der Anfertigung eines Aſtrolabiums, eines Quadran⸗ ten und und eines Globus ³).—
Auch in der Philoſophie war er zu Hauſe ⁴). Von ſeinen ſonſtigen Schriften ſei erwähnt eine Schrift über das Abendmahl mit vielen Citaten aus den griechiſchen ⁵) und lateiniſchen Kirchen⸗ vätern ⁶), ein Werk über Rhetorik*) für die Studirenden geſchrieben und eine kleine Abhandlung dialectiſchen Inhalts ³). Er fertigte auch Hydrauliſche Orgeln und am Hofe Otto's III. eine Sonnenuhr).
Aus dieſer reichen Quelle des Wiſſens, das Gerbert der Schule zu Rheims mittheilte, ſchöpften
auch die Lütticher Schulen. Wie bereits erwähnt, war Notker mit Gerbert befreundet ¹⁰), ohnedies mußten ſich die beiden Männer kennen, da ſie beide dem ſächſiſchen Kaiſerhauſe ſo nahe ſtanden. Daß der gelehrte Schüler St. Gallens das Wiſſen ſeines gelehrten Freundes für die Schulen ſeiner Diöceſe fruchtbar gemacht haben wird, iſt nicht unwahrſcheinlich. Und in der That zeigt ſich auch ein reger Verkehr Lüttichs mit Rheims. Heriger von Lobach iſt einer der erſten Commentatoren des„Abacus“ ¹¹), desgleichen Helbert von St. Hubert ¹²). Adal⸗ bold von Utrecht, Schüler Lobachs, ſtudirt in Rheims und correſpondirt noch ſpäter mit Gerbert über mathematiſche Fragen ¹⁸); noch zweier anderer Lütticher geſchieht Erwähnung, welche in Rheims ſtudirten 14). Lambert der Jüngere von St. Hubert iſt Lehrer im Kloſter St. Remi in der Diöceſe Rheims und Wilhelm Walo, ein Schüler Adelmanns, iſt eine Zeit lang Abt daſelbſt ¹).
Wenn nun auch von Brun, St. Gallen und Rheims die hauptſächlichſte Einwirkung auf die Lütticher Schulen ausging, ſo ſind vereinzelte Anregungen von anderen Seiten damit nicht ausgeſchloſſen.
So wird Olbert von Gembloux ſein in S. Germain des Preés, Troyes und beſonders bei dem berühmten Fulbert in Chartres erworbenes Wiſſen ſeinen Schulen in Gembloux und St. Jakob haben zu Gute kommen laſſen. Der Mönch Hubald, Notkers Schüler, hörte in St. Geno⸗ feva in Paris zugleich Vorleſungen ¹⁶) während er daſelbſt unterrichtete. Biſchof Wolbodo von Lüttich war früher Scholaſticus in Utrecht geweſen, während der Lütticher Adelbold Biſchof von Utrecht wurde, dadurch traten die beiderſeitigen Diöceſen und Schulen in nähere Beziehung, und Lambert der Aeltere von St. Hubert hielt ſich einige Zeit in Parma ¹⁷) auf.
Schriftſteller und Anterrichtsfächer.
Bei dem Verſuche ein Bild zu gewinnen von dem, was in den Lütticher Schulen dieſes Jahrhunderts gelehrt wurde, wird es förderlich ſein zuvor einen Blick zu werfen auf die ſchrift⸗ ſtelleriſche Thätigkeit der an den Schulen wirkenden oder aus ihnen hervorgegangenen Gelehrten. Es ſchrieben:
I. Heriger, Abt von Lobach † 1007 ¹).
1. Gesta episcoporum Leodiensium, wozu ihm Biſchof Notker das Material liefern half.
1) H. 6,582 Il leur apprend les differentes opérations pour réussir à mesurer un champ oblong, carré, triangulaire, à prendre la hauteur d'un arbre, d'une tour, d'une pyramide, à connattre la quantitéè d'eau dans un puits, à faire de justes compartiments à trouver le meridian pour la construction des Cadrans.— 2) H. 6,584.— 3) H. 6,583 und 584.— 4) H. 5,566 Otto III. nennt ihn peritissimum philosophorum, atque tribus philosophiae partibus laureatum.— 5) H. 6,57. Seinen Geſchmack für das Griechiſche ſoll er der Palaſtſchule Bruns verdanken.— 6) H. 6,588.— 7) H. 6,586.— 8) H. 6,584.— 9) H. 6,609 II fit une horloge, dont il regla le mouvement sur P'ôtoile polaire qu'il considerait à la faveur d'un tufau.—
0) H. 7211. Cr. 97 Gerb epp. 30 35. 39.— 11)„Regulae numerorum super Abacum Gerberti.“— 12) H. 7,138.— 13) H. 6,598.— 14) H. 7,89.— 15) H. 8,305.— 16) H. 7103.— 1778. 8,573.— 18) H. 7,197 Sig. 137.


